Allianz sieht Ende des Preiskriegs

Autopolicen sollen 2008 teurer werden · Allianz-Versicherung-Chef Thomas Pleines im FTD-Gespräch

Von Herbert Fromme, München Die Allianz erwartet für 2008 das Ende des Preiskriegs in der Autoversicherung. „Meine Prognose ist, dass die Preise nächstes Jahr steigen werden“, sagte Thomas Pleines, Vorstandschef der Allianz Versicherung und Vorstandsmitglied der Allianz Deutschland. Heute zahlten die Kunden dieselben Preise wie im Jahr 1998, in dem ein heftiger Preiskrieg die Branche erschüttert hatte. Für 2007 sieht Pleines aber noch keinen spürbaren Preisanstieg.

„Die Autoversicherung ist sehr schwierig, und ich glaube nicht, dass man Geld gewinnt, wenn man Preiskämpfe lostritt“, sagte Pleines. Doch genau das hat die Allianz 2005 gemacht. Pleines wollte das nicht kommentieren. Noch verdienen viele Versicherer in der Autosparte gutes Geld, erst recht die Allianz. Das werde aber nicht bei allen so bleiben, sagte Pleines: „Vielen wird demnächst die Luft ausgehen.“

Mit 8,9 Millionen versicherten Fahrzeugen ist die Allianz eindeutig der Marktführer in Deutschland. Im vergangenen Jahr wuchs die Gesellschaft hier moderat um 30 000 versicherte Fahrzeuge, während der Marktzweite HUK-Coburg ein Plus von 220 000 Fahrzeugen auf 7,7 Millionen einfahren konnte.

Die Allianz-Vertreter verloren sogar 90 000 Risiken, der Zuwachs für die Gruppe kam aus Internet, Dresdner Bank und Vertrieb über Autofirmen. Die Allianz hatte bei den Vertretern den Schwerpunkt auf die Lebensversicherung gelegt.

„Das ist vernünftig“, sagte Pleines. „Wir sind im Moment in der Sachversicherung in einer Weichmarktphase.“ So nennt die Branche die Periode sinkender Preise. „Wenn sie in der Auto- oder Firmenversicherung in einer Weichmarktphase sind, dann muss man seine Bestände erhalten und beim Neugeschäft sehr selektiv sein.“ Es wäre fatal, wenn die Allianz jetzt hohe Ziele für das Neugeschäft festsetze. „Wer im weichen Markt mit Gewalt wachsen will, kann das nur zu Lasten des Ertrags tun.“

Das ändere sich, sobald sich die Preise ändern. „Wenn der Markt hart wird, ist sicher neu zu definieren, wohin die Vertriebskapazität gelegt wird.“

Grundsätzlich wolle die Allianz nach Kunden und Vertriebswegen differenzieren. „Sie müssen die Verkäufer segmentieren, die Produkte und natürlich die Kunden“, sagte er. Die Allianz habe allein in der Autoversicherung drei verschiedene Tarife für unterschiedliche Kundengruppen: Optimal, Kompakt und Allianz 24, den Internettarif. „Das ist wie ein Netz. Der Kunde kommt an, und wir hoffen, dass er in einem dieser drei Teile das Passende findet.“ Die Allianz sieht sich in den verschiedenen Vertriebswegen gut aufgestellt. Dazu gehört die Kooperation mit Autoherstellern, bei Allianz vor allem VW. „Wir sind hier die absolute Nummer eins“, sagte er. Verbessern will Pleines die Zusammenarbeit mit Maklern. Dafür soll in München ein spezielles Zentrum für deren Betreuung errichtet werden. Bisher macht die Allianz nur wenig Geschäft mit Maklern.

Der Konzern legt derzeit die Verwaltung zusammen und streicht 5700 Arbeitsplätze. Pleines sagte, dass bei den Protesten gegen den Großumbau bei der Allianz Deutschland „der Druck raus“ sei. „Das ist so, seitdem klar ist, wie es weitergeht“, sagte Pleines.

Die größten Risiken für die Allianz bestünden nicht in der Umstellung des internen Betriebs, sagte Pleines. Wie für die gesamte Versicherungswirtschaft seien die Hauptrisiken mögliche Unsicherheiten an der Börse sowie hohe Schäden aus Naturkatastrophen.

„,Kyrill‘ wird uns etwa 400 Mio. Euro brutto kosten, davon 200 Mio. Euro auf eigene Rechnung. 200 Mio. Euro waren rückversichert“, sagte Pleines. Aber solche Schäden beinhalteten auch Chancen. „Wir haben nach dem Sturm alle Kunden angeschrieben, die keine Sturmversicherung hatten.“ Das Ergebnis sei sehr positiv.

Zitat:

„Die Preise werden nächstes Jahr steigen“ – Allianz-Vorstand Thomas Pleines –

www.ftd.de/allianz

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Preiskrieg der Autoversicherer

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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