Aufsicht will Solvency-Grenze erhöhen

Kleine Versicherer sollen verschont werden

Von Herbert Fromme, Bonn Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will mehr kleine Versicherer von den strikten Eigenkapitalvorschriften der geplanten Solvency-II-Regeln für die Branche befreien. Das sagte der Chef der Versicherungsaufsicht bei der BaFin, Thomas Steffen, gestern am Rande einer Versicherungskonferenz.

Für Mitte 2007 plant die EU die Beschlussfassung über die neuen Solvency-II-Vorschriften, wahrscheinlich treten sie 2011 oder 2012 in Kraft. Das benötigte Eigenkapital der Versicherer wird dann nicht mehr in festgelegten Prozentsätzen der Beitragseinnahmen berechnet, sondern hängt von den übernommenen Versicherungsrisiken, den Risiken bei den Kapitalanlagen und den internen Risikokontrollen ab. Dafür müssen die Versicherer komplexe Modelle anwenden.

Nach den jetzt von der EU geplanten Regeln sollen Gesellschaften mit weniger als 5 Mio. Euro Bruttoprämien pro Jahr von den Solvency-Vorschriften ausgenommen werden. „Das ist vor mehreren Jahren so geplant worden und müsste zumindest um die Inflation adjustiert werden“, sagte Steffen. Er könne sich eine Obergrenze bis zu 10 Mio. Euro vorstellen. Allerdings sei es zu früh, einen genauen Wert zu nennen. „Die kleinen Versicherer haben durchaus Interesse, sich an Solvency II zu beteiligen“, so Steffen. Auch sie wollten ihre Risikokontrolle deutlich verbessern. Voraussetzung sei, dass die Standardformeln nicht zu komplex seien. „Können sie die Standardformel als kleine Versicherer selbst berechnen, könnte es sogar beim heutigen Schwellenwert bleiben“, so Steffen. „Fällt die Standardformel zu komplex aus, spricht vieles für eine Anhebung zum Beispiel auf 10 Mio. Euro.“ Das müsste dann in der EU durchgesetzt werden.

Die BaFin beaufsichtigt insgesamt 650 Versicherer. Davon kommen etwa 70 Gesellschaften auf einen Bruttobeitrag von unter 5 Mio. Euro, weitere 40 erzielen zwischen 5 Mio. Euro und 10 Mio. Euro. Außerdem stehen 992 Unternehmen unter Länderaufsicht, fast alle von ihnen kleine Gesellschaften. Diese meist lokalen Versicherer decken in der Regel Gebäude, Viehbestände oder Gewerbebetriebe. Auch Sterbegeldvereine und kleine Krankengeldversicherer gehören dazu. Steffen sagte, Solvency II solle nicht zum Verschwinden der kleinen Versicherer führen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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