Investorenprofitieren vom Wetterrisiko

Kapitalmärkte stützen Versicherer und Banken

Von Herbert Fromme Mit deutlich mehr Verbriefungen von Sturm- oder Flutdeckungen reagieren Versicherer und Banken auf die wachsenden Risiken aus dem Klimawandel. „Risiken zu übernehmen ist eine Kernaufgabe der Finanzindustrie“, sagt Otto Steinmetz, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank und in der Allianz-Gruppe für das Thema Klima zuständig. Wo Versicherungen nicht mehr kalkulierbar wären, böten sich alternative Modelle an, so Steinmetz weiter. Neben diesem Motiv für vermehrte Verbriefung hat die Assekuranz noch ein zweites: Sie will die mit Großschäden verbundenen Schwankungen der Ergebnisse reduzieren, die bei Anlegern negativ wirken.

Katastrophenanleihen gibt es seit den 90er-Jahren. Aber erst seit 2001 nimmt das Volumen kräftig zu. Mittlerweile erwarten Experten eine Entwicklung ähnlich wie bei den Banken. Diese haben früher Hypotheken oder Autodarlehen vergeben und selbst in den Büchern behalten. Unter dem Druck von Anlegern, die unzufrieden mit den hohen Risiken waren, und wegen ihrer eigenen Eigenkapitalknappheit begannen sie Anfang der 90er-Jahre, Hypotheken zu verbriefen – also in Form von Anleihen an Investoren weiterzugeben. Autodarlehen und Kreditkartenaußenstände folgten, alle möglichen Instrumente unter der Gesamtüberschrift Asset Backed Securities oder Credit Linked Notes sind heute Alltag. „In der Versicherungswirtschaft kommt es zu einer ähnlichen Verflechtung mit den Kapitalmärkten“, sagt Roger Ferguson, Vorstandsmitglied der Swiss Re und bis Ende April 2006 stellvertretender Chef der US-Notenbank Fed.

Das Grundprinzip ist immer dasselbe: Die Anleger erhalten für die Anleihe eine deutlich über den Marktzinsen liegende Verzinsung, müssen aber bei einem festgelegten Ereignis – einem Hurrikan, Erdbeben oder einem die Erwartungen übersteigenden Schadenaufkommen – mit dem Verlust ihres Kapitals rechnen.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Volumen der Verbriefungen in der Schaden- und Unfallversicherung verdoppelt, bei Lebensversicherungsanleihen verdreifacht. Ende 2006 belief sich das gesamte Volumen von ausstehenden versicherungsbezogenen Anleihen oder Insurance-Linked Securities auf 23 Mrd. $. Ferguson erwartet, dass 2016 „zwischen 150 Mrd. und 350 Mrd. $“ an Versicherungsanleihen im Markt sein werden.

Kritik, mit Hilfe von Verbriefungen könne die Assekuranz unbequeme Risiken bei „unwissender Kapazität“ abladen, lässt Ferguson nicht gelten. Die Käufer solcher Anleihen seien „ausgefuchste Marktteilnehmer“, sagt er. „Und bisher sind sie mit Versicherungsverbriefungen sehr gut gefahren.“ Tatsächlich gibt es in der Geschichte der Cat-Bonds bisher erst einen Fall, bei dem Anleger möglicherweise Geld verlieren – die Kamp-Re-Anleihe über 190 Mio. $, mit der Swiss Re Sturmschäden abgesichert hat. Die Schadenschätzung aus dem Hurrikan „Katrina“ liegen über dem Auslöser von Kamp Re. Ob das Geld auch fließt, hängt von der Höhe der Schadenzahlungen ab. Die sind noch nicht abgeschlossen. Allerdings haben Anleger wie die Allianz-Tochter Pimco die im Dezember 2007 fällige Anleihe bereits abgeschrieben.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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