Allianz macht sich für EU-weite Aufsicht stark

Finanzchef Perlet fordert klare Aufteilung der Kompetenzen

Von Herbert Fromme, Berlin Der Versicherungs- und Bankkonzern Allianz unterstützt die EU-Kommission bei ihrem Vorschlag, für Versicherer eine Gruppenaufsicht auf EU-Ebene einzuführen. „Wir brauchen eine funktionsfähige Gruppenaufsicht“, sagte Finanzchef Helmut Perlet der FTD am Rande des Jahresseminars der International Insurance Society. Die EU-Kommission schlägt vor, dass beispielsweise für die Aufsicht der gesamten Axa-Aktivitäten in der EU in erster Linie die französische Aufsicht zuständig ist, für die der Allianz die deutsche Aufsicht BaFin. Von den 27 Versicherungsaufsehern in der EU haben sich aber 14 gegen diesen Plan ausgesprochen.

Die Verantwortlichkeiten eines Gruppenaufsehers müssten klar definiert werden, sagte Perlet. „Seine künftige Rolle kann sich nicht darauf beschränken, dass er ein reiner Prozessorganisator wird. Er muss Entscheidungskompetenz haben.“ Die EU-Kommission will heute ihren Entwurf für eine Solvency-II- Richtlinie vorlegen, in der europaweit einheitliche Regeln für die Eigenkapitalausstattung der Versicherer festgelegt werden. Sie sollen ab 2012 gelten.

Perlet sagte, es gehe nicht darum, den nationalen Behörden jegliche Vollmachten zu nehmen. Der Soloaufseher müsse weiter dafür sorgen, dass die Mindestausstattung der Töchter mit Eigenkapital ausreiche, und sich die Gesellschaften vor Ort ansehen. „Aber bei gruppenübergreifenden Themen muss die Entscheidungskonsequenz beim Gruppenaufseher im Heimatland liegen.“

Die politische Auseinandersetzung werde „nicht einfach“. Jetzt ginge es darum, wie viel nationale Kompetenz auf den Gruppenaufseher übertragen werden kann, ohne dass die nationale Behörde völlig herausgedrängt werde, sagte er. „Im Idealzustand hätten wir eine europäische Aufsicht.“ Das werde aber noch 20 Jahre dauern.

Die Allianz unterliegt als Versicherer künftig Solvency II, die Dresdner Bank den Regeln nach Basel II. „Wir haben noch unterschiedliche Vorschriften, wie Risiko berechnet wird“, sagte Perlet. Das müsse angeglichen werden, damit zwischen Banken und Versicherern keine Risikoarbitrage möglich sei.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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