Hannover Rück sieht Preisentwicklung gelassen

Chef Zeller rechnet mit „weicher Landung“ der Branche

Von Herbert Fromme, Monte Carlo Nach acht Jahren ununterbrochener Erhöhungen müssen sich die Rückversicherer darauf einstellen, dass die Preise jetzt wieder fallen. Die Branche stelle sich allerdings auf eine „weiche Landung“ für die Raten beim größten Teil ihres Geschäfts ein, werde also nicht in Bedrängnis geraten, sagte Wilhelm Zeller, Vorstandschef der Hannover Rück, vor Journalisten beim Welt-Rückversicherungstreffen in Monte Carlo.

„Die Preise in der Schaden- und Unfallrückversicherung sind zum größten Teil adäquat für die Risiken, die abgedeckt werden, und deshalb weiter attraktiv“, sagte der Chef des viertgrößten Rückversicherers der Welt.

Bei Rückversicherungsdeckungen für Katastrophenschäden, vor allem Hurrikans, seien die Preise auch bei den jüngsten Vertragserneuerungen zur Jahresmitte auf einem sehr hohen Niveau geblieben. Dasselbe gelte für die Transportversicherung, unter die auch die Abdeckung von Öleinrichtungen vor den Küsten fällt. „Alle anderen gehen in Richtung weiche Landung“, sagte Zeller weiter. Die Erstversicherer behielten einen zunehmend größeren Teil der Risiken für sich.

Rückversicherer wie Hannover Rück, Swiss Re oder Münchener Rück übernehmen von den Erstversicherern wie Basler oder Württembergische einen Teil der Risiken. Die Erstversicherer wiederum decken Privatleute und Unternehmen. Weil sie in den vergangenen Jahren sehr gut verdient haben und ihre Kapitalausstattung auf dem Höchststand ist, können sie einen größeren Anteil der Risiken selbst abdecken und müssen sie nicht an Rückversicherer geben.

In Deutschland habe der Sturm „Kyrill“ 2,4 Mrd. Euro Schaden angerichtet und bei manchem Erstversicherer wegen des höheren Selbstbehalts zu Überraschungen geführt. „Wir erwarten deshalb für 2008 eine gestiegene Nachfrage nach Sturmdeckungen“, sagte Hannover-Rück-Vorstandsmitglied Michael Pickel, der unter anderem für den deutschen Markt zuständig ist. In der Industrie-Feuerversicherung stünden sowohl die Preise als auch die Bedingungen unter Druck. Bei Haftpflichtverträgen gebe es ebenfalls fallende Preise für die Industrie, aber der Abwärtstrend sei durch eine Kapazitätsknappheit für Spezialsparten wie Pharmazie oder Chemie abgemildert. Insgesamt seien die Rückversicherungspreise sogar stabil.

In der Autoversicherung gingen die Preise für Endkunden weiter nach unten, sagte Pickel. Wenn Rückversicherer prozentual an diesen Risiken beteiligt sind, sinken auch ihre Einnahmen. Aber bei Deckungen, die nur für Großschäden eingekauft werden, gingen die Preis hoch. „Grund sind die Entwicklungen bei den Personenschäden.“ Hier habe es einen kräftigen Anstieg der Kosten gegeben.

Zitat:

„Die Preise sind zum größten Teil adäquat für die Risiken“ – Wilhelm Zeller –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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