Lebensversicherer kritisieren Berliner Transparenzpläne

Victoria-Vorstand will nur Abschlusskosten veröffentlichen

Von Herbert Fromme und Anja Krüger, Köln Die Lebensversicherer verlangen von der Bundesregierung, dass den Kunden bei Vertragsabschluss nicht die individuelle Provisionshöhe, sondern nur die eingerechneten Abschlusskosten mitgeteilt werden. Das sagte Johannes Lörper, Vorstandsmitglied der Victoria Lebensversicherung und der Hamburg-Mannheimer, im FTD-Interview. Die beiden Gesellschaften gehören zum Ergo-Konzern und damit zur Münchener Rück. „Die exakten Provisionshöhen mitzuteilen wäre technisch enorm schwierig, weil die Provisionssysteme der Vertreter sehr unterschiedlich sind“, sagte er. „Die eingerechneten Abschlusskosten können einfacher berechnet und dargestellt werden.“

Die Bundesregierung verlangt bisher in dem Entwurf für die neue Informationspflichtenverordnung „Angaben zur Höhe der Kosten für die Vermittlung und den Abschluss des Vertrages“. Im neuen Versicherungsvertragsgesetz (VVG), das der Bundesrat am Freitag billigte, ist festgelegt, dass die Regierung die Verordnung zu den Informationspflichten erlassen muss. Sie soll Anfang 2008 in Kraft treten.

Während die Branche an dieser Front noch kämpft, hat sie an einer anderen Stelle offenbar resigniert: die von Berlin verlangte Angabe der Vertriebskosten in Euro und Cent statt in Prozent, wie die Versicherer verlangen. „Euro und Cent schaffen natürlich psychologische Probleme, aber das wird sich nicht vermeiden lassen“, sagte Lörper. Anfangs werde das zu Unsicherheit auch in den Vertrieben führen. „Aber wir wissen aus anderen Ländern, dass das langfristig nicht schädlich für den Verkauf ist.“ Es könne natürlich zu Begehrlichkeiten bei Kunden kommen, einen Anteil zu erhalten.

Die klassische Lebensversicherung werde nie ganz transparent werden, weil sie immer langfristig angelegt sei und einen Glättungsmechanismus sowie eine Mischung und Streuung der Kapitalanlagen enthalte, sagte Lörper. Diese Mischung und Streuung sei auch der Grund dafür, dass die Branche aktuell nicht von der Krise um zweitklassige US-Immobilien (Subprime) erfasst werde. „Das Engagement der Ergo in diesen Geschäften ist vernachlässigbar. Ich bin da vollkommen beruhigt“, sagte Lörper.

Langfristfolgen seien allerdings nie auszuschließen. „Wenn großer Aufruhr an den Kapitalmärkten ist, kann der nicht völlig spurlos an uns vorübergehen.“ Das gelte für alle großen Anleger von Kapital. Die Lebensversicherer seien mit ihren Kapitalanlagen eben den wirtschaftlichen Realitäten unterworfen.

Zitat:

„Das wird sich nicht vermeiden lassen“ – Johannes Lörper, Vorstand Victoria Leben –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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