Marsh trennt sich von Vorstandschef

Brian Storms konnte Anleger zuletzt kaum überzeugen · Bisher nur vorläufige Nachfolgelösung beim Versicherungsmakler

Von Herbert Fromme, Köln Der Makler- und Beratungskonzern Marsh & McLennan hat sich überraschend und ohne Begründung von Brian Storms getrennt, dem Chef des Versicherungsmaklers Marsh Incorporated. Der 52-Jährige hatte den Posten vor zwei Jahren übernommen. Vorher war er ein Jahr bei der zum Konzern gehörenden Personalberatung Mercer, davor als Investmentmanager bei UBS Americas, Paine Webber und Prudential.

Bis ein Nachfolger für Storms gefunden ist, wird Michael Cherkasky die Position übernehmen, zusätzlich zu seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender. Neben Marsh und Mercer gehören der Rückversicherungsmakler Guy Carpenter und die Unternehmensberatung Oliver Wyman zur Gruppe. Sie erzielte 2006 rund 11 Mrd. $ Umsatz und hat mehr als 54 000 Beschäftigte, davon rund 26 000 bei Marsh. „Wir brauchen heute neue Führungsqualitäten und operative Fähigkeiten, um die erfolgreiche Transformation von Marsh zu vollenden“, erklärte Cherkasky in einer Mitteilung.

Marsh leidet wie die anderen großen Makler Aon und Willis an neuen Transparenzregeln, die das Unternehmen nach einem vom New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer 2004 aufgedeckten Skandal einführen musste. Damals hatte Spitzer Marsh Angebotsbetrug vorgeworfen. Mit teuren Scheinangeboten von Konkurrenten gaukelte Marsh Kunden vor, ein bestimmtes Angebot sei günstig, damit diese bei dem von Marsh gewünschten Versicherer abschlossen. Marsh erhielt umsatzbasierte Sonderprovisionen von den Versicherern und steuerte die Angebote. Der Makler musste damals 850 Mio. $ Schadensersatz zahlen und auf alle Sonderprovisionen verzichten, die fast 1 Mrd. $ des Umsatzes von 6,2 Mrd. $ ausmachten.

Außerdem verpflichteten sich alle Großmakler, ihren Kunden mitzuteilen, wie viel sie an ihren Verträgen verdienen. Die Konsequenz: Viele Großkonzerne schließen heute lieber Beratungsverträge mit Maklern ab und versichern sich auf Nettobasis, also ohne Provision. Die Honorare sind aber deutlich niedriger, als es die Provisionen waren.

Storms hatte versucht, über zusätzliche Risikoberatung für Unternehmen den Umsatzrückgang aufzufangen, bisher ohne großen Erfolg. Inzwischen sucht Marsh wieder Sonderprovisionen für Arbeiten, die der Makler im Auftrag der Versicherer erledigt – von 2,5 Prozent ist im Londoner Markt die Rede. Außerdem straffte Storms die Organisation deutlich, was zu starken internen Friktionen führte. So versuchten die Europachefs in London, den Marsh-Länderorganisationen Aufgaben zu entziehen und zu bündeln.

Anleger und Analysten konnte Storms zuletzt immer weniger überzeugen. Vor dem Skandal im Oktober 2004 stand die Aktie bei 47 $ und fiel dann in drei Tagen auf 24 $. Bis Mai 2007 erholte sich der Wert auf 33 $. Seitdem verlor er 26 Prozent und steht heute bei mageren 26,18 $.

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Marsh-Chef Brian Storms musste am Freitag gehen

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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