Versicherung im Web 2.0

Herbert Fromme Mit gigantischen Plakaten wirbt der Versicherer Zurich in deutschen Großstädten für den neuen Internetanbieter Zurich Connect. Die Hannoveraner VHV gründet eine Spezialgesellschaft für den Vertrieb per Web, andere stehen in den Startlöchern. Marktführer Allianz versucht, Vertreter und Internet eng zusammenzuspannen. Beim zweitgrößten Anbieter HUK Coburg kommt der Zuwachs in der Stückzahl fast nur von der Online-Tochter HUK 24.

Das Internet ist plötzlich wieder attraktiv. Vor fünf Jahren hatten die meisten Versicherer ihre teuren elektronischen Träume begraben. Nur wenige wie die HUK blieben dabei. Sie werden jetzt mit hohem Wachstum belohnt.

Hauptmotor des neuen Interesses ist der harte Konkurrenzkampf im kaum wachsenden Segment Autoversicherung. Seit drei Jahren liefern sich die Anbieter ein heftiges Gefecht – und verdienen trotz deutlicher Preisrückgänge immer noch gut. Da zählt jeder Kunde. Noch schließen weniger als fünf Prozent ihre Autoversicherung online ab, aber das Wachstum ist rasant. Die Versicherer spüren, dass die Treue zum hergebrachten Vertreter löchrig wird. Manch ein Kunde, der sich gerne ausführlich von einem Vermittler zu Riester beraten lässt und auch dort abschließt, kauft seine Autoversicherung kurz darauf online, möglicherweise beim Wettbewerber.

Erleichtert wird die Rückkehr ins Web durch zwei Faktoren. Die Versicherer haben ihre internen IT-Systeme mit Milliardenaufwand modernisiert. Vor allem aber haben sie die Vertreterorganisationen entmachtet, die lange den Webvertriebsweg blockierten. Inzwischen sehen die Außendienstler ein, dass sie das Internet nicht einfach ignorieren können. Der Versuch der Allianz, ihre Agenturen netzaffin zu machen, ist deshalb ein geschickter Ansatz in der komplizierten Übergangslage. Weil das Management aber bei den Provisionen für Onlineabschlüsse knausert, ist der Erfolg zweifelhaft. Andere werden das vielleicht besser nachmachen.

Herbert Fromme ist Versicherungskorrespondent der FTD.

E-MAIL: fromme.herbert@ftd.de

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit