Formaxx attackiert die Konkurrenz

Finanzvertrieb beklagt sich über die Praktiken etablierter Unternehmen · Allianz als Partner

Von Herbert Fromme und Anja Krüger, Köln Der Finanzvertrieb Formaxx wirft etablierten Konkurrenten wie MLP und AWD vor, Versicherer von einer Zusammenarbeit mit den neu gegründeten Unternehmen abhalten zu wollen. „Es gibt viele Versicherer, die sich darüber freuen, dass sie einen neuen Vertriebspartner haben. Und es gibt andere, die gerne würden, aber nicht dürfen“, sagte Formaxx-Vorstand Eugen Bucher der FTD. Die Mitbewerber übten Druck auf diese Gesellschaften aus. Bucher war früher MLP-Vorstand.

Dennoch habe das Unternehmen genügend Produktpartner für den Start am 1. Oktober gefunden, sagte Bucher. Dazu gehöre die Allianz. „Der Marktführer hat klar erklärt, dass er sich von niemandem die Geschäftspolitik vorschreiben lässt“, sagte er. Bei Fonds nutzt Formaxx die Maklerplattform BCA.

Formaxx agiert als Makler und vertreibt mithilfe von Handelsvertretern Versicherungen, Sparpläne und Fonds für andere Unternehmen. Die wichtigsten Konkurrenten sind DVAG, AWD, MLP sowie die versicherungseigenen Vertriebe. Die Branche ist in Bewegung: Auch der frühere MLP-Chef Bernhard Termühlen will zusammen mit Thomas Scholl, bis zum Sommer Geschäftsstellenleiter in Frankfurt, Mitte 2008 mit einem neuen Vertrieb auf den Markt kommen.

Nach Angaben von Bucher hat die Formaxx AG, die als Versicherungsmakler agiert, zurzeit knapp 70 freie Handelsvertreter. „Weitere 350 sind unter Vertrag, haben aber noch eine Kündigungsfrist bei ihren bisherigen Unternehmen.“

Formaxx unterscheide sich von anderen Vertrieben dadurch, dass die Mitarbeiter eine andere Verantwortung dem Kunden gegenüber wahrnehmen müssten. „Wir wollen eine neue Generation der Berater schaffen“, sagte Bucher. „So steht im Mitarbeitervertrag, dass mit den Kunden ein Jahresgespräch geführt werden muss.“ Geschehe das nicht, habe das wirtschaftliche Konsequenzen. „Das gibt dann weniger Bestandsprovision.“

Ohnehin sei die Bestandsprovision in der Branche bisher nicht üblich gewesen. „Da haben wir schon ein bisschen den Markt verändert, größere Mitbewerber schütten inzwischen auch Bestandsprovisionen aus“, sagte er.

Formaxx hat Fachpersonal von MLP für die Entwicklung einer eigene Beratungssoftware gewonnen, die bereits eingesetzt wird, aber in den kommenden Monaten noch deutlich verbessert werden soll. Ein großer Teil der Vermittler kommt von MLP und AWD, auch das Führungspersonal hat Erfahrungen in bestehenden Vertrieben gesammelt. Bucher sagte, es gebe keine Umdeckung von Beständen vom bisherigen Unternehmen zu Formaxx. „Wir wollen bei künftigen Mitarbeitern einen ganz sauberen Abgang bis zum letzten Tag.“

Zurückhaltend äußerte sich Bucher über die genaue Eigentümerstruktur der Aktiengesellschaft. „Wir sind mit 22,5 Mio. Euro kapitalisiert und gehören fünf Privatpersonen“, sagte er. Dies seien unter anderem er und sein Mitvorstand Ralf Steinmeister, der auf Berufserfahrung bei DVAG, AWD sowie Deutscher Bank verweisen kann. Die beiden halten zusammen 65,4 Prozent. Offenbar sähen die Vorstände den ehemaligen AWD-Generalmanager Jörg Jacob gern im Kreis der Anteilseigner. Allerdings darf Jacob aufgrund von Vertragsauflagen wohl nicht so bald bei einem Wettbewerber seines früheren Arbeitgebers arbeiten.

Gerüchte, nach denen der zum Basler-Konzern gehörende Versicherer Deutscher Ring sich beteiligen werde, dementierte Bucher. „Wir haben einen Vertrag über eine Vertriebskooperation mit dem Deutschen Ring“, sagte er. Der Versicherer verkaufe auch über andere Organisationen. Es gebe keinen institutionellen Investor bei Formaxx.

Bei einem der ursprünglich angedachten Partner habe sich die Zusammenarbeit nicht ergeben. „Das war Randolf Nießner. Wir haben Voraussetzungen aufgestellt und unsere Vermögensverhältnisse offengelegt Die Voraussetzungen waren in diesem Fall nicht erfüllt“, sagte Bucher.

Das größte Krisenpotenzial für das neue Unternehmen bestehe darin, dass sich die Gesellschafter nicht mehr einig seien. „Plötzliche persönliche Meinungsverschiedenheiten wären sicher ein Problem.“ Allerdings gebe es untereinander ein Vorkaufsrecht für die Anteile. Einen Börsengang will er nicht ausschließen. „Wenn die Zeit dafür reif ist, warum nicht?“, sage er. „Aber wir haben dafür keinen festen Zeitplan.“

Zitat:

„Wir wollen eine neue Generation der Berater schaffen“ – Formaxx-Chef Eugen Bucher –

Bild(er):

Formaxx-Gründer Eugen Bucher war Vertriebsvorstand bei MLP, bis er das Unternehmen Ende 2006 im Unfrieden verließ – Attenzione/Mark Muehlhaus

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit