Frachter sorgen für Ruhe im Depot

Schiffsfonds sind unabhängig von der Renditeentwicklung anderer Anlagen. Das allein ist indes noch kein Qualitätsmerkmal

VON Katrin Berkenkopf Schiffsfonds bereichern das Depot, schließlich erzielen sie ihre Ergebnisse unabhängig vom Geschehen an den Aktien- oder Rentenmärkten. „Schon durch die Methodik des Investments ist die Korrelation niedrig“, sagt Peter Kastell vom Analysehaus Fondsmedia. Deshalb ist es aber noch lange nicht egal, in welche Schiffe Anleger ihr Geld stecken.

Studien von Fondsmedia haben die fehlende Korrelation der drei wichtigsten Schifffahrtssegmente – Containerschiffe, Massengutschiffe (Bulker) und Tanker – untermauert. Damit könnten die Schiffsfonds das Risiko-Rendite-Profil des Depots verbessern, also zur Stabilisierung des Vermögens beitragen. Wichtig sei dabei der Blick über einen langen Zeitraum, so Kastell, denn punktuell betrachtet könne es scheinbare Parallelitäten geben.

„Bei Börsen spielt viel mehr Psychologie eine Rolle, die Schifffahrt ist da rationaler“, sagt Kastell. So wisse man heute schon, wie viel neue Schiffsraumkapazität in zwei oder drei Jahren von den Werften abgeliefert wird. Diese Transparenz liefere die Grundlage für die Marktbewertung und die Entwicklung der Fracht- und Charterraten.

Korrelationskennzahlen als alleinige Verkaufsargumente für die Fonds sieht Kastell dennoch kritisch. „Isoliert betrachtet ist diese Aussage sinnlos. Was nützt mir eine fehlende Korrelation, wenn der Fonds am Ende vielleicht gar Verluste macht?“ Für die Wahl des richtigen Fonds seien Marktkenntnisse unerlässlich. „Die Chance-Risiko-Profile der Fonds unterscheiden sich enorm.“

Das sieht auch Michael Drisch vom Heidelberger Finanzdienstleister ZSH so: „Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Fonds werden größer.“ Denn die Schiffspreise sind seit Jahren hoch, die Betriebskosten steigen, und da die Einnahmen meist in Dollar erfolgen, die Ausschüttungen aber in Euro, macht sich der Wechselkurs negativ bemerkbar. Bei der Zeichnung von Fonds rät Drisch deshalb momentan zu „einem ganz selektiven Vorgehen“. Diversifikation sei nicht nur ein Thema für das Gesamtportfolio, sondern auch für Schiffsfonds als solche, so der Anlageberater. „Es ist wichtig, dass man die einzelnen Märkte abdeckt. Flusskreuzfahrt hat nichts mit Tankern zu tun.“

Viele Anleger investieren seit Jahren immer wieder in Schiffsfonds und bleiben dabei einem Schiffstyp treu, mit dem sie gute Erfahrungen gemacht haben. Diese Treue gilt häufig auch einem bestimmten Emissionshaus, das wiederum häufig auf bestimmte Schiffssegmente spezialisiert ist. „Die haben keine gescheite Streuung in ihrem Portfolio“, kritisiert Drisch. Oft fehle auch den Beratern das entsprechende Wissen über die einzelnen Fonds und die aktuellen Entwicklungen auf den Schiffsmärkten, meint er. Die überwiegende Mehrheit der Vermittler könne das nicht leisten. „Dazu braucht man langjährige Erfahrung und Kontakte zu Reedereien“, sagt Drisch. Dabei könne ein diversifiziertes Schiffsportfolio die generell positiven Korrelationseigenschaften noch verstärken. „Unter einer langen Wirtschaftskrise würde natürlich auch die Schifffahrt irgendwann leiden. Aber es ist ganz selten, dass Containerschiffe, Tanker und Bulker gleichzeitig schlecht laufen.“

Franz-Joseph Busse, Professor für Finanz-, Bank- und Investitionswirtschaft an der FH München, sieht die Wahl der Schiffsfonds entspannter. Finanzmathematisch habe sich gezeigt, dass der Anteil von Schiffsinvestments am Anlegerportfolio für die Performance entscheidend sei, und nicht das Abschneiden des einzelnen Fonds. Doch auch er hat seine Favoriten: „Je spezieller das Schiff, desto besser.“ Denn Nischensegmente seien unabhängiger von den allgemeinen Marktschwankungen.

Gefallen findet Busse auch an den neuen Dach- oder Portfoliofonds. Während es Dachfonds, die in mehrere Schiffe oder Schiffsfonds investieren, schon länger gibt, kommen jetzt immer mehr Fonds auf den Markt, die gleichzeitig in verschiedene Asset-Klassen Geld anlegen.

Auch Peter Kastell findet diese Anlagen sinnvoll, weil dadurch wiederum eine breitere Streuung des Investments schon mit kleineren Summen möglich wird. „Auch diese Märkte korrelieren ja nicht miteinander.“ Dagegen warnt Michael Drisch davor, dass in Dachfonds auch Objekte mit ungünstigen Kostenstrukturen geschickt versteckt werden können.

Busses Institut für Finanz- und Investitionsmanagement hat Indizes für geschlossene Fonds und andere Anlageformen entwickelt, die die Wertentwicklung der Netto-Cashflows jeweils über 15 Jahre widerspiegeln und ebenfalls die fehlende Korrelation zeigen. Zweimal jährlich wird aktualisiert – aber nicht veröffentlicht. Die Werte für den FundExx Shipping will der branchennahe Experte aus Angst vor Nachahmern nicht nennen. „Es geht aber weiter nach oben.“

Bild(er):

Containerschiffe im Rotterdamer Hafen: Expertenwissen schon heute, wie viel neue Kapazität in den nächsten Jahren auf den Markt kommt – Laif/Hollandse Hoogte

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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