Münchener Rück baut in den USA um

Neue Struktur soll Gewinn verdoppeln · Konzern plant Übernahmen in Nischen

Von Herbert Fromme, Köln Die Münchener Rückversicherung baut ihr US-Geschäft um und will dabei auch Versicherer in Nischen zukaufen. Wenn der Marktzyklus aus sinkenden und steigenden Preisen seinen nächsten Höhepunkt erreicht habe, werde das zu einer Gewinnverdoppelung aus dem US-Geschäft auf 1 Mrd.Euro vor Steuern führen, sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek gestern in einer Telefonkonferenz. Das könne in vier, fünf oder auch erst sieben Jahren sein. Jeworrek ist in dem Münchener Konzern für die gesamte Rückversicherung zuständig

Die Münchener Rück bietet im Kerngeschäft Versicherern, die ihrerseits mit Endkunden Geschäfte machen, Deckungen gegen Großschäden und andere Belastungen an. „Bisher hatten wir mehrere Kundenbetreuer pro Kunde“, sagte der neue US-Chef Anthony Kuczinksi. „Künftig gibt es nur einen Kundenmanager.“ Arbeitsplätze sollen dadurch aber nicht verloren gehen.

Außerdem sucht die Gesellschaft ab sofort enge Beziehungen zu Rückversicherungsmaklern. Von den rund 3 Mrd. $ Prämieneinnahmen in der Schaden- und Unfallrückversicherung – Gebäude, Autos, sowie Haftpflicht – stammen bisher nur 400 Mio. $ von Rückversicherungsmaklern, der Rest direkten Beziehungen zwischen Rück- und Erstversicherer. Konkurrenten wie die Hannover Rück erzielen weit über die Hälfte ihres Umsatzes aus Maklerbeziehungen. Hier sieht Jeworrek offensichtlich Nachholbedarf.

Die 1996 von der Münchener Rück übernommene American Re, heute Munich Re America, hat den Konzern bisher schon viel Geld gekostet. Vor allem wegen der Altlasten musste der Konzern Milliarden nachschießen. Im Jahr 2002 übernahm John Phelan die Führung und konnte seitdem Sanierungserfolge aufweisen. Jetzt geht Phelan in den Ruhestand.

Der nun angestoßene Umbau soll das Gewinnpotenzial ausbauen, sagte Jeworrek. „Es geht uns dabei nicht um Umsatzwachstum, sondern um Gewinnwachstum.“ Das bringe zwangsläufig auch einen Ausbau des Marktanteils mit sich. Im vergangenen Jahr hatte Jeworrek noch die deutlich aggressivere Parole ausgegeben, den US-Marktanteil von heute fünf Prozent auf zehn Prozent zu steigern.

Der US-Umbau ist Teil des Programms „Changing Gear“, das Konzernchef Nikolaus von Bomhard eingeleitet hat. Damit will er eine Gewinnsteigerung trotz fallender Preise im Kerngeschäft erzielen und neue Wachstumsinitiativen starten. Von Bomhard hofft, so den Kapitalmarkt zu überzeugen und der schwächelnden Aktie Auftrieb zu geben. Das Papier schloss gestern mit 137,11 Euro, ein Plus von 0,6 Prozent.

Der Ausbau von Geschäftsbeziehungen durch den Rückversicherer mit Endkunden ist Teil von „Changing Gear“. In den USA will der Konzern eine „führende Stellung in Nischensegmenten der Erstversicherung erzielen“, sagte John Phelan. Dafür werde die Gruppe komplette Teams von Konkurrenten übernehmen und Zukäufe von Zeichnungsagenturen oder Spezialversicherern suchen, so sein Nachfolger Kuczinski.

Zitat:

„Künftig gibt es nur einen Kundenmanager“ – Anthony Kuczinski,Munich Re America –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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