USA lockern Regeln für Rückversicherer

Aufsicht verzichtet auf Milliardengarantien

Von Herbert Fromme, Köln D ie Versicherungsaufsicht von New York hat weitreichende Erleichterungen für ausländische Rückversicherer angekündigt. Ab Mitte 2008 wird der US-Bundesstaat zum größten Teil auf Sicherheiten in Milliardenhöhe verzichten, die ausländische Gesellschaften bisher stellen müssen. „In New York gibt es einen wachsenden Bedarf an Rückversicherung, damit wir mit Risiken aus Terrorismus und Naturkatastrophen wie Hurrikans fertig werden“, sagte der Chef der Aufsichtsbehörde, Eric Dinallo, am Donnerstag.

Ausländische Rückversicherer hatten 2005 Garantien im Umfang von 120 Mrd. $ zu stellen. Dafür fielen nach Angaben der Aufsichtsbehörde Transaktionskosten in Höhe von 500 Mio. $ an. Die New Yorker Entscheidung dürfte Signalwirkung für andere US-Staaten haben und europäischen Anbietern die Tätigkeit im größten Markt der Welt erleichtern.

Hohe Belastung für Ausländer

Das bisherige System sollte vor allem die US-Kunden schützen. Wenn ein New Yorker Versicherer Hausbesitzer gegen Sturmschäden versichert, holt er sich eine Rückdeckung für die Spitzenbelastungen bei Rückversicherern, etwa in Deutschland, England oder der Schweiz. Nach einem starken Sturm entschädigt der Versicherer Hausbesitzer im Verlauf mehrerer Monate oder Jahre. Der ausländische Rückversicherer muss in den USA bislang aber für seinen Schaden sofort eine Garantie in voller Höhe stellen.

„Wir begrüßen den Schritt der New Yorker Aufsicht sehr“, sagte Wilhelm Zeller, Chef der Hannover Rück. Die Gesellschaft allein muss zurzeit 7 Mrd. $ Garantien in den USA stellen. Künftig wird die Höhe dieser Garantien von der Bewertung des Rückversicherers durch Ratingagenturen abhängen und kann von 0 bis 100 Prozent reichen. Mit ihrem „A“-Rating bei AM Best muss etwa die Hannover Rück künftig 20 Prozent garantieren.

Gegenseitige Anerkennung

Die Münchener Rück macht den größten Teil ihres US-Umsatzes zwar über ihre Tochter Munich Re America und ist deshalb weniger betroffen. Dennoch muss auch sie laut Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek zurzeit für das direkt von der Münchner Obergesellschaft gezeichnete Geschäft Garantien von rund 1 Mrd. $ stellen. „Solche Garantien laufen dem Geschäftsmodell der Rückversicherung entgegen“, sagte Jeworrek. Rückversicherer seien bei großen Schadensfällen darauf angewiesen, flexibel über ihr Geld zu verfügen.

Zeitgleich mit der Ankündigung der New Yorker Behörde startete gestern in Fort Lauderdale, Florida, die Konferenz internationaler Versicherungsaufseher. Ein wichtiges Thema dort ist die gegenseitige Anerkennung der Aufsicht über Rückversicherer. Ein Papier dazu hat die deutsche Aufsicht BaFin miterarbeitet. Thomas Steffen, Chef der Versicherungsaufsicht in der BaFin, sagte der FTD, die angestrebte gegenseitige Anerkennung werde die Branche von unnötiger Bürokratie befreien.

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Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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