Allianz Leben weicht Zusage auf

Versicherer restrukturiert Gewinnbeteiligung · Größere Unsicherheit für Kunden

Von Anja Krüger, Berlin D ie Allianz Leben verlagert bei der Gewinnbeteiligung in der klassischen Lebensversicherung das Kapitalmarktrisiko stärker auf den Kunden. Der Versicherer lässt 2008 die laufende Gesamtverzinsung bei 4,5 Prozent stagnieren. Gleichzeitig erhöht er den widerrufbaren Schlussüberschussanteil. „Wir haben bewusst den Fokus auf die Schlussüberschussbeteiligung gelegt“, sagte Unternehmenschef Maximilian Zimmerer. „Der Schlussüberschuss ist in keiner Form garantiert, das ist der Hauptvorteil aus Sicht des Versicherers.“

Mit einem neuen Gewinnbeteiligungssystem erfüllt der Marktführer in der Lebensversicherung die neuen Vorgaben, die am 1. Januar in Kraft treten. Sie verpflichten die Assekuranz unter anderem, Kunden auch bei frühzeitiger Kündigung stärker an den sogenannten stillen Reserven zu beteiligen. Sie entstehen, wenn der Marktwert etwa von Aktien über dem Buchwert liegt.

Die laufende Gesamtverzinsung ist in der Kapitallebensversicherung im Wettbewerb das wichtigste Instrument. Versicherer gewähren Kunden eine Verzinsung auf den Sparanteil der Prämie – nach Abzug der Kosten für Verwaltung, Provisionen und Risikoschutz – und das angesammelte Kapital. Sie besteht aus einem fixen und einem variablen Teil. Bei Vertragsabschluss garantiert der Versicherer eine Mindestverzinsung für die Gesamtlaufzeit. Die maximale Höhe des Garantiezinses – zurzeit 2,25 Prozent – legt der Gesetzgeber fest. Hinzu kommt je nach Kapitalerträgen eine Überschussbeteiligung, die am Jahresende für das kommende Jahr festgelegt wird. Ist die Gesamtverzinsung gutgeschrieben, kann der Versicherer nicht mehr darauf zugreifen.

Im Zuge der Kapitalmarktkrise haben angeschlagene Versicherer begonnen, auch mit dem Schlussüberschuss zu werben, um ihre Schwäche zu kaschieren. Dieser wird Kunden bei Vertragsende gewährt. Der Versicherer kann ihn dem Kunden in schlechten Zeiten aber wieder wegnehmen. Dass dieser Fall eintrete, sei aber extrem unwahrscheinlich, betonte Zimmerer.

Seit 2004 lag der Schlussüberschuss bei der Allianz bei 0,6 Prozent. 2008 soll er auf 0,8 Prozent steigen. Hinzu kommt 2008 eine deklarierte Beteiligung an den stillen Reserven in Höhe von 0,5 Prozent, die bei Vertragsende oder Übergang in die Rentenphase fällig wird. Läuft die Police kürzer als 20 Jahre, bekommt der Kunde weniger, bei länger laufenden Verträgen mehr. Die Beteiligung an den stillen Reserven erhält der Kunde nur in guten Zeiten. Trotzdem errechnet sich der Versicherer eine durchschnittliche Verzinsung der Sparanteile von 5,6 Prozent. Das entspreche einer Steigerung von 0,3 Prozent, sagte Zimmerer. Die Beteiligung an den stillen Reserven weist der Versicherer offenbar in der Hoffnung aus, dass Rivalen dazu nicht in der Lage sein werden. „Der Markt agiert nicht einheitlich, weil es Kollegen gibt, die keine Bewertungsreserven haben.“

Durch die stagnierende laufende Überschussbeteiligung werden viele Wettbewerber zum Marktführer aufschließen. 2007 liegt die Gesamtverzinsung nach Angaben der Ratingagentur Assekurata im Schnitt bei 4,2 Prozent. „Der Wettbewerbsdruck führt dazu, dass die Versicherer etwas tun“, sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will. „Der Markt rückt wahrscheinlich wieder näher zusammen.“

www.ftd.de/Allianz

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Beteiligung für Versicherte

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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