Generali erhält Standbein in Osteuropa

EU-Kommission genehmigt Übernahme in Tschechien

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Der italienische Versicherer Generali hat eine wichtige Hürde für die Expansion nach Osteuropa genommen. Die Europäische Kommission genehmigte gestern die Übernahme der Versicherungssparte des tschechischen Finanzkonzerns PPF. Der Zusammenschluss werde den Wettbewerb nicht erheblich behindern, teilte die Kommission mit.

Assicurazioni Generali mit Stammsitz in Triest ist der größte Versicherer Italiens, in Deutschland gehört ihm AMB Generali. Generali hat Zweigstellen in mehreren zentral- und osteuropäischen Ländern. PPF ist eine international tätige Gruppe, die nach eigenen Angaben Kapitalanlagen von fast 8 Mrd. Euro verwaltet. Das Versicherungsgeschäft des Konzerns ist vor allem in der Gesellschaft Ceska pojistovna gebündelt. Sie ist in der Tschechischen Republik, in der Slowakischen Republik, in Russland, in der Ukraine und auf Zypern tätig.

Nach der Übernahme wird Generali 51 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen halten. Dafür zahlen die Italiener 1,1 Mrd. Euro. Auf Basis der Daten von 2006 kommt das Joint Venture auf Prämieneinnahmen von über 2,6 Mrd. Euro und neun Millionen Kunden in zwölf Ländern.

In Zukunft wird der italienische Versicherer seine Osteuropa-Aktivitäten von Prag aus steuern, statt wie bisher aus Wien. Bei der Bekanntgabe der Fusionspläne im April dieses Jahres hatte Generali die Tschechische Republik als eine der vielversprechendsten Regionen bezeichnet und als gute Plattform für weitere Expansionsmöglichkeiten in angrenzende Länder.

Die EU-Kommission sieht zwar Überschneidungen zwischen Generali und PPF auf den tschechischen Märkten für Lebens- sowie Schaden- und Unfallversicherung. Das Joint Venture müsse aber mit „mehreren leistungsstarken und wettbewerbsfähigen Unternehmen“ konkurrieren, die über erhebliche Marktanteile verfügten. „Zu diesen Wettbewerbern zählen auch Zweigstellen und Tochtergesellschaften international etablierter Versicherungsunternehmen wie Allianz, ING, KBC, Axa und Wiener Städtische“, heißt es in der Mitteilung der Kommission. Auch beim künftig in dem Land zu erwartenden weiteren Wachstum der Versicherungsmärkte werde die Position von Wettbewerbern durch den Zusammenschluss nicht erschwert.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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