Münchener Rück mit Rekordgewinn

Unternehmen sieht nur geringe Belastungen durch Kreditkrise · Massive Aktienrückkäufe angekündigt

Von Herbert Fromme, Köln Die Münchener Rück hat 2007 nach Steuern 3,9 Mrd. Euro verdient. Das ist eine klare Steigerung gegenüber den 3,5 Mrd. Euro des Vorjahres. Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt gab gestern vorläufige Zahlen bekannt, die Bilanz soll am 25. Februar folgen. Der Gewinn liegt noch über der Schätzung des Vorstands unter Konzernchef Nikolaus von Bomhard, der von einer Spanne zwischen 3,5 und 3,8 Mrd. Euro ausgegangen war.

Die Aktie reagierte mit einem kräftigen Sprung auf 120,86 Euro, eine Steigerung um 5,9 Prozent. Der Kurs der Aktie litt wie der anderer Versicherer in den vergangenen Wochen unter dem Misstrauen von Anlegern, die verborgene Belastungen durch die Kreditkrise und dadurch ausgelöste Abschreibungen fürchteten. Dazu kamen Sorgen um den allgemeinen Preisverfall in den Rückversicherungsmärkten.

Das Unternehmen will eine Dividende von 5,50 Euro pro Aktie zahlen, deutlich über den 4,50 Euro des Vorjahres. Insgesamt würde sich die Ausschüttung damit auf 1,12 Mrd. Euro statt 988 Mio. Euro belaufen. Außerdem will das Unternehmen bis 2010 eigene Aktien für mindestens 3 Mrd. Euro zurückkaufen. Schon in den vergangenen 14 Monaten wurden 3 Mrd. Euro für Rückkäufe investiert. Für 2008 erwartet die Gruppe einen Gewinn von mindestens 3,1 Mrd. Euro, bekräftigte Finanzchef Jörg Schneider in einer kurzfristig angesetzten Telefonkonferenz.

„Wir sehen die hohe Dividende als Reaktion auf den schwachen Verlauf der Aktie“, sagte Citibank-Analyst James Qin. „Außerdem ist es wohl eine vorweggenommene Antwort auf den Druck von aktivistischen Aktionären.“

Der schwedische Investor Cevian hatte im Dezember mitgeteilt, er halte drei Prozent an der Münchener Rück und wolle weitreichende Änderungen durchsetzen. Der Fonds, zu dessen Anlegern US-Investor Carl Icahn gehört, hat seine Forderungen bisher nicht im Detail beschrieben. Der Münchner Konzern bereitet sich aber auf eine Auseinandersetzung vor. Dazu passt die höhere Dividende.

Die Münchener Rück ist ein Großhändler des Risikoschutzes. Sie gibt Erstversicherern, die direkt Endkunden versichern, Schutz gegen Katastrophen und andere hohe Belastungen. Seit zwei Jahren gehen die Preise zurück, nachdem sie seit 2001 gestiegen waren. Der Konzern ist außerdem selbst im Endkundengeschäft tätig. Ihm gehört die Ergo-Gruppe in Düsseldorf mit den Marken Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV und DAS sowie eine Reihe kleinerer Gesellschaften, meist in Nischen wie der Industrie- oder der Transportversicherung.

Finanzchef Schneider sagte, die Gruppe sei nur in geringem Ausmaß von den Verwerfungen an den Kreditmärkten betroffen. Im vierten Quartal verbuchte die Münchener Rück Verluste von weniger als 10 Mio. Euro aus dem Verkauf von Finanzinstrumenten, die am US-Markt für Hypotheken an Gläubiger geringer Bonität investiert haben. Das Portefeuille in diesem Segment wurde von 370 Mio. Euro Ende September auf 340 Mio. Euro Ende Dezember abgebaut, sagte Schneider. „Das sind weniger als 0,2 Prozent unserer Kapitalanlagen.“

Das Engagement auf den Kreditmärkten sei seit einigen Jahren relativ gering, „gerade auch im Wettbewerbervergleich“ – ein Seitenhieb auf den Rivalen und Weltmarktführer Swiss Re, der im November eine Belastung von 1,2 Mrd. Franken aus Subprime-Absicherungen bekannt gab und dessen Aktienkurs danach einbrach. Auch bei Forderungen gegenüber Banken, die unter Druck der Ratingagenturen stehen, sieht Schneider kein Risiko für die Münchener Rück: „Da müsste schier die Welt zusammenbrechen, dass wir wirklich in erheblichem Ausmaß betroffen wären.“

Allerdings könnte das Unternehmen als Versicherer von Schäden in der Managerhaftung und in der Vertrauensschadendeckung getroffen werden, die durch die Subprime-Krise entstehen können. In den USA gibt es bereits zahlreiche Sammelklagen gegen Finanzdienstleister. Dafür habe der Konzern im Abschluss 2007 Vorsorge getroffen, sagte Schneider.

Im Kerngeschäft Rückversicherung habe das Unternehmen in den Vertragsabschlüssen zum Jahresbeginn 2008 einen Preisrückgang von 2,8 Prozent hinnehmen müssen, sagte der für das Rückversicherungsgeschäft zuständige Vorstand Torsten Jeworrek. Das liegt über den bisherigen Schätzungen für die Absenkung. Trotzdem seien die Preise „risikoadäquat“, sagte Jeworrek. Er sehe eine „gute Profitabilität“ der Rückversicherung auch 2008.

In der Schaden- und Unfallrückversicherung (Gebäude, Autos, Maschinen, Haftpflichtrisiken) verhandelte die Gruppe mit ihren Kunden Ende 2007 über Verträge mit einem Ausgangsprämienvolumen von 8,47 Mrd. Euro, das sind 65 Prozent des Umsatzes in dem Geschäftsfeld. Übrig blieben 8,14 Mrd. Euro. Nicht erneuert wurden Verträge für 1,22 Mrd. Euro – zum einen, weil dem Konzern die Preise zu niedrig waren, und zum anderen, weil eine lang laufende Vereinbarung planmäßig endete. Das Neugeschäft machte 744 Mio.Euro aus.

Jeworrek sagte, es seien Zeichen für eine Trendwende bei den Preisen sichtbar. Das gelte für die Autoversicherung, in der in wichtigen Märkten wie Großbritannien die Absenkungen für Endkunden zum halten gekommen seien.

Bild(er):

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard hat seine optimistische Gewinnprognose sogar noch übertroffen – Roland Magunia

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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