Bâloise und Gothaer blasen Fusion ab

Komplexe Struktur in Hamburg der Hauptgrund

Von Herbert Fromme, Köln Die Schweizer Versicherungsgruppe Bâloise und die Kölner Gothaer haben ihre Fusionsverhandlungen abgebrochen. „Die Parteien konnten sich nicht auf die kommerziellen Rahmenbedingungen einigen“, hieß es knapp in einer siebenzeiligen Stellungnahme.

Die Unternehmen hatten vor zwei Wochen Informationen der FTD bestätigt, dass sie eine Absichtserklärung unterzeichnet hatten und eine genaue gegenseitige Buchprüfung („Due Diligence“) durchführten.

In Versicherungkreisen hieß es, die Integration der Gruppen habe sich als komplizierter herausgestellt als ursprünglich gedacht. Vor allem die Struktur des Bâloise-Konzernteils Deutscher Ring in Hamburg sei hinderlich gewesen. Der Deutsche Ring besteht im wesentlichen aus drei Gesellschaften. Zwei von ihnen sind Aktiengesellschaften, die der Bâloise gehören – für die Lebens- und die Schaden/Unfallversicherung. Hinzu kommt aber die Deutsche Ring Kranken, die als Versicherungsverein ihren Mitgliedern gehört. Die Deutsche Ring Kranken ist mit den anderen Gesellschaften nicht kapitalmäßig verbunden, sondern nur über ein Kooperationsabkommen und einen gemeinsamen Vorstand. Der dient zwei Herren, einmal der Bâloise und zweitens dem Versicherungsverein Deutscher Ring Kranken. „Es hätte sehr lange gedauert, das wirklich zu integrieren“, hieß es. Der Deutsche-Ring-Chef Wolfgang Fauter habe klar gemacht, dass die Einbeziehung der Kranken Probleme schaffen würde.

Eine Zusammenführung ohne den Deutschen Ring oder dessen Integration zu einem späteren Zeitpunkt sei für die Gothaer zunehmend zum Problem geworden, da sie in dem Prozess die Mehrheit an der neuen Gruppe der Bâloise überlassen wollte – ohne dafür die erhofften Größenvorteile sofort zu spüren, hieß es in den Kreisen.

Der Fusionsplan sah vor, dass die Bâloise 51 Prozent an einer neuen Deutschland-Holding halten würde, die Gothaer-Obergesellschaft Gothaer Versicherungsbank VVaG 49 Prozent. Sie kontrolliert den Gothaer-Konzern. Die Fusion zwischen einer AG und einem Verein hätte Vorbildcharakter in Europa gehabt. Das Ende der Gespräche könnte zu erneutem Interesse in Finanz- und Versicherungskreisen an der Bâloise führen, die seit Jahren als Übernahmeziel gilt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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