Finanzvertrieb MLP enttäuscht die Anleger

Umsatz stagniert · Konzern beschäftigt weniger Vermittler als geplant · Punktlandung beim Gewinn von 110 Mio. Euro · Aktien brechen ein

Von Herbert Fromme, Frankfurt Der Umsatz im Vermittlungsgeschäft des Wieslocher Finanzvertriebs MLP stagniert. Das Unternehmen, das Versicherungen, Kapitalanlagen und Finanzierungen für Versicherer und Banken verkauft, meldete gestern Provisionseinnahmen von 476 Mio. Euro nach 475 Mio. Euro 2006. „In diesem Jahr wird es zu einem leichten und einmaligen Rückgang der operativen Marge kommen“, warnte MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg in Bezug auf 2008. Die Aktie verlor 9,0 Prozent auf 10,06 Euro.

Das selbst gesteckte Ziel von 2750 freiberuflichen Vertretern konnte Schroeder-Wildberg nicht erreichen: Ende 2007 arbeiteten 2613 Vertreter für MLP. Ein Jahr zuvor waren es 2435. Dagegen meldete er bei der angepeilten Steigerung des Gewinns vor Steuern und Zinsen auf 110 Mio. Euro eine Punktlandung. Das Unternehmen verdiente 110,3 Mio. Euro nach 95 Mio. Euro im Vorjahr; die Hälfte davon erzielte die Gruppe im vierten Quartal.

Die Branche ist derzeit im Umbruch: Der Konkurrent AWD wurde von Swiss Life gekauft, MLP wird immer wieder als Übernahmeziel genannt, und Ex-Manager von AWD und MLP haben den neuen Vertrieb Formaxx gegründet. In den vergangenen Monaten verließen zudem mehrere Vorstände das Wieslocher Unternehmen: Finanzchef Nils Frowein ging Mitte 2007 und ist inzwischen in derselben Rolle bei AWD tätig, Vertriebschef Wulf Böttger wurde nach nur acht Monaten gefeuert, Bereichsvorstand Roman Hadjio verließ MLP im Januar 2008.

Nach Steuern ging der MLP-Gewinn leicht um ein Prozent auf 76 Mio. Euro zurück. Im Vorjahr war MLP in den Genuss einer Steuerrückzahlung von 12 Mio. Euro mit dubios wirkendem Hintergrund gekommen. Der Sonderfaktor fiel 2007 weg. Von der Rückzahlung entfielen 5 Mio. Euro auf zu viel gezahlte Gewinnsteuern, 7 Mio. Euro auf Überzahlungen an Gewerbesteuer. Das Besondere: Nicht MLP hatte die Gewerbesteuerrückzahlung verlangt, sondern die Finanzbehörden hatten sie nach einer Betriebsprüfung festgesetzt. In Marktkreisen hieß es, die Finanzämter gingen von einem niedrigeren Gewinn in Vorjahren aus, als MLP angegeben habe.

Aus der Vermittlung von Lebensversicherungen erzielte MLP Provisionen von 367 Mio. Euro nach 371 Mio. Euro. Parallel zum Markt litt MLP unter schwachem Neugeschäft. Außerdem zeigt das neue Versicherungsvertragsgesetz Wirkung, MLP und andere Vertriebe müssen Zeit und Mittel für Training und neue Abläufe verwenden.

Die Steigerung des Gesamtumsatzes von 589 Mio. Euro auf 637 Mio.Euro verdankt MLP vor allem der erstmaligen vollen Konsolidierung des 2006 übernommenen Vermögensverwalters Feri. Das Vermögensmanagement lieferte 39 Mio. Euro Umsatz nach 9 Mio. Euro im Vorjahr.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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