Münchener Rück dämpft Erwartungen

Versicherer fürchtet Gewinnrückgang 2008 · Kaum Subprime-Belastungen · Anleger reagieren positiv auf Jahresabschluss

VON Herbert Fromme, München Die Münchener Rück spürt den Preisdruck in der Branche und das schwierigere Umfeld für Kapitalanlagen. Das könnte sich 2008 in einem Rückgang des operativen Gewinns um rund 800 Mio. Euro niederschlagen, warnte gestern Finanzvorstand Jörg Schneider. Dagegen müsse man allerdings mögliche zusätzliche Gewinne aus profitablem Neugeschäft rechnen, sagte er.

Schneider und Konzernchef Nikolaus von Bomhard waren bei der Vorlage von Bilanzzahlen bemüht, keine überhöhten Erwartungen an den Gewinn 2008 aufkommen zu lassen. Ende Januar hatte das Unternehmen bereits einen erneuten Rekord für 2007 gemeldet – der Gewinn nach Steuern stieg von 3,5 Mrd. Euro auf 3,9 Mrd. Euro. Für 2008 kündigte von Bomhard „eine Spanne zwischen 3,0 Mrd. Euro und 3,4 Mrd. Euro“ an.

Anleger nahmen den angekündigten Rückgang nicht übel, die Aktie stieg in einem freundlichen Marktumfeld um 1,56 Prozent auf 118,42 Euro. Viele Investoren waren froh, dass die Münchener Rück ihre klare Aussage, fast keine Belastungen aus der US-Kreditkrise verarbeiten zu müssen, eingehalten hat und tatsächlich nur einen Miniverlust von 15 Mio. Euro für das vierte Quartal melden musste.

Konzernchef von Bomhard deutete an, dass die Belastung mancher Konkurrenten durch Subprime-Einschläge sich in den kommenden Wochen erst noch zeigen werde.

Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt meldete im Kerngeschäftsgebiet erneut einen Umsatzrückgang, diesmal um 3,1 Prozent auf 21,5 Mrd. Euro. Hier ist der Konzern vor allem als Versicherer anderer Versicherer tätig, seit zwei Jahren sinken hier die Preise. Die Erstversicherung dagegen, in der die Münchener Rück direkt mit Endkunden Geschäfte macht, legte beim Umsatz um 3,2 Prozent auf 17,3 Mrd. Euro zu. Das ist vor allem die Tochter Ergo, zu der DAS, DKV, Hamburg-Mannheimer und Victoria gehören.

Der Gewinnsprung des Jahres 2007 ist vor allem einer niedrigeren Steuerbelastung geschuldet. Statt 1,6 Mrd. Euro im Jahr 2006 musste der Konzern 2007 nur 808 Mio. Euro zahlen. Zur Hälfte ist die Steuerersparnis bereits ein Ergebnis der Unternehmenssteuerreform der Großen Koalition. Das operative Ergebnis ging auch 2007 schon um 400 Mio. Euro auf 5,1 Mrd. Euro zurück.

Mit Hedge-Fonds und anderen Großinvestoren sei man im Gespräch, sagte von Bomhard. „Wir haben Investoren, die einzelne Strategieteile mehr oder weniger unterstützen.“ Die Tatsache, dass der Konzern Erst- und Rückversicherung betreibt, sei dabei ein Thema. In der Vergangenheit gab es Forderungen von Anlegern und Analysten nach dem Verkauf der Ergo. Für von Bomhard ist das kein Thema, die Grenzen zwischen beiden Kategorien würden ohnehin fließender.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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