Allianz verdient trotz Umbau prächtig

Sparte Lebensversicherung erzielt gute Ergebnisse · Billigtarif wird nach Niederlage vor Gericht abgeschafft

Von Herbert Fromme, München Der Versicherungskonzern Allianz hat trotz des laufenden Umbaus den Gewinn in Deutschland 2007 stark gesteigert. Der Bereich Schaden- und Unfallversicherung verlor im Heimatmarkt leicht Anteile, aber die Sparte Lebensversicherung legte umso kräftiger zu. „Insgesamt stieg der Marktanteil der Allianz Deutschland von 15,5 Prozent auf 15,7 Prozent“, sagte Allianz-Deutschlandchef Gerhard Rupprecht. Stolz war er auf den Gewinn, der um 9,1 Prozent auf 1,97 Mrd. Euro stieg.

Erstmals legte Allianz konsolidierte Zahlen für das deutsche Geschäft vor. Das ist möglich, weil der Versicherer vor zwei Jahren alle deutschen Töchter mit Ausnahme der Industrieversicherung in der Allianz Deutschland zusammengefasst hat. Zuvor berichteten die Töchter einzeln und nach dem bisherigen deutschen HGB-Standard. Die konsolidierten Zahlen Folgen den internationalen IFRS-Regeln.

In der Lebensversicherung konnte die deutsche Gruppe den Marktanteil von 16,6 Prozent im Vorjahr auf 17,1 Prozent 2007 ausbauen, sagte Rupprecht. Im Neugeschäft seien es sogar 26 Prozent. Unerfreulich verlief dagegen das Neugeschäft in der Krankenversicherung, hier ging die Zahl der Kunden mit Kranken-Vollversicherung von 757 000 auf 737 000 zurück. Verantwortlich seien Gesundheitsreform und Überalterung des Bestands, sagte er.

In der Schaden- und Unfallversicherung – Autos, Gebäude, Haftpflicht, Unfall – verzeichnete der Konzern einen Rückgang der Prämieneinnahmen um 1,2 Prozent auf 9,43 Mrd. Euro. Das Neugeschäft ging sogar um 4,5 Prozent zurück. Rupprecht verwies auf den Preisdruck: Die Allianz habe sich aus manchen Geschäften wie der Versicherung bestimmter Autoflotten herausgehalten. Für Schäden, Vertriebs- und Verwaltungskosten gab die Allianz 92,6 Prozent der Beiträge aus. Damit verbesserte sich die bereits ausgezeichnete Schaden-Kosten-Quote weiter, zuvor betrug sie 92,8 Prozent.

Künftig sollen auf Kundengruppen maßgeschneiderte Angebote für mehr Wachstum sorgen. Außerdem will der Konzern erstmals Spezialagenturen für türkische Kunden einrichten und dafür auch die Dokumente übersetzen.

Für die hart umkämpfte Autoversicherung bezifferte Rupprecht die Schaden-Kosten-Quote mit 102 Prozent der Beiträge. Allerdings nimmt das Unternehmen hier auch bedeutende Kapitalerträge aus den hohen Schadenreserven ein, macht also betriebswirtschaftlich ordentlich Gewinn. Die Zahl der versicherten Fahrzeuge ging um 0,4 Prozent auf 8,85 Millionen zurück, davon inzwischen 177 000 beim Internetversicherer Allianz 24.

Den günstigeren Auto-Zweittarif Kompakt schafft die Allianz zum 1. April ab, obwohl dort inzwischen rund 480 000 Fahrzeuge versichert sind. Für Kompakt zahlt die Allianz Unternehmen nur sechs Prozent Provision einer Jahresprämie, statt wie beim Standardangebot zehn Prozent. Dagegen hatten Versicherungsvertreter erfolgreich geklagt. Das Oberlandesgericht München lies eine Revision zum Bundesgerichtshof nicht zu. Ob der Konzern dagegen Beschwerde einlegt, ist noch nicht entschieden.

Als Teil des Umbaus sinkt die Belegschaft um 5700 Vollzeitstellen. 3000 Stellen seien bereits abgebaut. „Für weitere 1700 gibt es Vereinbarungen mit den Mitarbeitern“, sagte Rupprecht. Die übrigen 1000 Stellen will er 2008 schaffen. Entlassungen werde es keine geben, dazu hat sich der Konzern bis 2009 verpflichtet.

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Zufriedener Deutschlandchef: Der 59-jährige Gerhard Rupprecht ist stolz auf die hohen Gewinne. Sein Umbau der deutschen Allianz-Töchter zu einer Gruppe soll Vorbild für den Konzern werden

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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