Hedge-Fonds stützen Hannover Rück

Spekulative Investoren steigen in Markt für Retrodeckungen ein · Rückversicherer erzielt Rekordgewinn

Von Herbert Fromme, Hannover Hedge-Fonds sind im großen Stil in die Absicherung von Rückversicherern eingestiegen. Das sagte Hannover-Rück-Chef Wilhelm Zeller gestern vor Journalisten. Nach mehreren Jahren deutlicher Angebotsknappheit bei den sogenannten Retrodeckungen habe der global viertgrößte Rückversicherer jetzt wieder eine weltweite Gesamtdeckung für die Spitzenbelastungen von Katastrophengroßschäden abgeschlossen, sagte Zeller. „Wir haben das bei Hedge-Fonds gemacht.“ Den Namen der beteiligten Fonds wollte Zeller nicht nennen. Hannover Rück wird vom Versicherungskonzern Talanx kontrolliert, der knapp über 50 Prozent an dem Unternehmen hält.

Rückversicherer sind Großhändler des Risikoschutzes. Sie decken Versicherer, die mit Endkunden Geschäfte machen, gegen Katastrophenschäden und andere besondere Belastungen. Die Rückversicherer sichern sich ihrerseits bei anderen Gesellschaften mit einem Teil ihres Risikos ab. Größter Anbieter ist Warren Buffetts Berkshire Hathaway Re.

Direkt nach den hohen Sturmschäden des Jahres 2005, als „Katrina“, „Rita“ und „Wilma“ zuschlugen, stiegen die Retropreise drastisch, während sich die Bedingungen für die Käufer verschlechterten. „Damals war die Deckung löchrig wie ein Schweizer Käse“, sagte Zeller. Das habe sich jetzt deutlich geändert. „Die Preise sind um 20 bis 30 Prozent gefallen.“

Auf den eigenen Markt schlage das aber nicht in demselben Maße durch. Die Hannover Rück habe in den Erneuerungsverhandlungen für 2008 wieder „risikoadäquate Preise“ erzielt, wenn auch erstmals seit 1999 die Zahl der Verträge mit Preissenkungen größer war als die derjenigen mit Preiserhöhungen.

Die Hannover-Rück-Gruppe erzielte 2007 Bruttoprämieneinnahmen von 8,3 Mrd. Euro, ein Rückgang um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zeller begründete das mit der Aufgabe des Programmgeschäfts in den USA und den veränderten Marktbedingungen. Von den 8,3 Mrd. Euro behielt das Unternehmen Nettoprämien von 7,3 Mrd. Euro in den eigenen Büchern, ein Anstieg um 2,8 Prozent. Für Retrodeckungen zahlte Hannover Rück 1 Mrd. Euro an Prämien an Hedge-Fonds und andere Rückversicherer.

Zeller erwartet für 2008 einen Anstieg der Prämieneinnahmen um fünf Prozent in Originalwährung. Der Gewinn werde sich auf rund 600 Mio. Euro belaufen, wenn es nicht zu unvorhergesehenen Katastrophen komme. Das ist zwar deutlich weniger als der Rekordgewinn des Jahres 2007, in dem die Hannover Rück 733 Mio. Euro und damit 219 Mio. Euro mehr als im Vorjahr verdiente. Im Gewinn 2007 sei aber ein einmaliger Sondereffekt von 169 Mio. Euro aus der Unternehmenssteuerreform enthalten. Ohne den Effekt verdiente der Rückversicherer 569 Mio. Euro. Für 2008 geht das Unternehmen von einer Steigerung aus. „Die Marktaufweichung dürfte sich erst mit Verzögerung im Ergebnis niederschlagen.“

Für 2007 erhöht das Unternehmen die Dividende von 1,60 Euro auf 1,80 Euro und zahlt zusätzlich einen Bonus von 0,50 Cent. Das ist beim Mehrheitsaktionär hochwillkommen, Talanx bereitet einen Börsengang vor und braucht jede Million.

Finanzchefin Elke König erwartet keine größeren Belastungen durch zweifelhafte US-Kreditfinanzierungen. Hannover Rück musste 2007 rund 10 Mio. Euro auf Wertpapiere von 50 Mio. Euro mit Subprime-Belastung abschreiben, bei Kapitalanlagen von insgesamt 29 Mrd. Euro.

Bild(er):

Abgesichert: Hannover-Rück-Chef Wilhelm Zeller genießt Rückendeckung durch Hedge-Fonds – Kai Remmers

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit