Versicherer Bâloise findet neuen Chef

Schweiz-Chef und Ex-Berater Martin Strobel rückt an die Spitze · Amtsantritt aber erst 2009 · Suche nach Wachstumsstrategie

Von Herbert Fromme, Köln Der Baseler Versicherungskonzern Bâloise hat nach fast drei Monaten den Posten des Vorstandschefs wieder besetzt. „Es wird keinen dramatischen Strategiebruch geben“, sagte der neue Konzernlenker Martin Strobel gestern – bemüht, allzu große Erwartungen oder Befürchtungen zu dämpfen. Dabei kommen auf Strobel große Herausforderungen zu, da er den Konzern trotz des Rekordgewinns 2007 neu strukturieren muss, um weiterhin wachstumsfähig zu bleiben.

Mit 5 Mrd. Euro Gesamtumsatz ist Bâloise in keinem ihrer sieben Märkte ganz vorn. Im Gegenteil: Sie befindet sich genau in der unangenehmen Mitte zwischen der Nische, in der ein Versicherer nicht alles anbieten muss, und der großen Gesellschaft, der ein Allround-Angebot nicht schwerfällt. Bâloise-Verwaltungsratspräsident Rolf Schäuble sucht deshalb Fusionspartner.

Kurz vor einem Erfolg stand er zuletzt bei der Kölner Gothaer-Gruppe. Aber nach 14 Wochen harten Prüfens und zähen Verhandelns platzte die Fusion doch noch. Ein wichtiger Grund war die komplizierte Eigentumsstruktur des Bâloise-Konzernteils Deutscher Ring in Hamburg. Der besteht aus drei Versicherern, von denen aber nur zwei Bâloise gehören. Der dritte, die Deutscher Ring Kranken, ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG), der seinen Kunden gehört. Verbunden sind die drei Teile über Kooperationsverträge und ein gemeinsames Management. Es war aber der Hamburger VVaG, der sich nur schwer eine Fusion mit der Gothaer vorstellen konnte. Wenn Strobel Bâloise fusionsfähig machen will, muss er das Problem lösen.

An Durchsetzungsfähigkeit mangelt es dem 42-jährigen promovierten Informatiker und Betriebswirt nicht. Der Deutsche Strobel hat einen sehr internationalen Blick auf die Branche. Als er die Führung von Bâloise Schweiz übernahm und dort das Autogeschäft sanieren musste, analysierte er zunächst die erfolgreichsten Autoversicherer der Welt – und nahm sich dann ihre Risikoanalyse zum Vorbild.

Strobel studierte in Kaiserslautern, Windsor in Kanada und Bamberg. Von 1993 bis 1999 arbeitete er beim Unternehmensberater Boston Consulting Group mit dem Schwerpunkt strategisches IT-Management bei Banken und Versicherern. 1999 wechselte er zu Bâloise, zunächst als Informatikchef bei Basler Schweiz und auf Gruppenebene verantwortlich für Großprojekte im Versicherungsbereich. 2003 wurde er Chef von Basler Schweiz und Mitglied der Konzernleitung.

Zum 1. Januar 2009 übernimmt er den Chefposten, den der Verwaltungsratspräsident inzwischen auf Interimsbasis zusätzlich wahrnimmt. Der langjährige Bâloise-Vorstandschef Frank Schnewlin war im Dezember nach Differenzen über die Geschäftspolitik gegangen. Damals liefen die Fusionsverhandlungen mit Gothaer bereits.

Bild(er):

Will keine dramatischen Brüche: Martin Strobel

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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