Münchener Rück verdient weniger

Großschäden treffen Quartalsergebnis · Hedge-Fonds halten sich auf Hauptversammlung zurück

Von Herbert Fromme, München Der Rückversicherer Münchener Rück rechnet mit einem deutlich schlechteren Ergebnis für das erste Quartal 2008. Im Vorjahr hatte der Konzern in dem Zeitraum knapp 1 Mrd. Euro verdient. Genaue Zahlen will das Unternehmen am 8. Mai vorlegen. „Eine Reihe von Großschäden belasten das Quartalsergebnis“, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard auf der Hauptversammlung. Außerdem befinde sich der Markt in einer Niedrigpreisphase. Für das volle Jahr hält die Münchener Rück an ihrer Prognose fest, zwischen 3 und 3,4 Mrd. Euro zu verdienen. Das wären deutlich weniger als die 3,9 Mrd. Euro, die das Unternehmen 2007 erzielte. In den Rekordgewinn seien Sonderfaktoren aus Steuersenkung und Anlageergebnis mit jeweils 400 Mio. Euro eingegangen, sagte von Bomhard.

Aktionärsvertreter lobten den Gewinn des Jahres 2007 trotzdem, monierten aber deutlich den schwachen Aktienkurs der Münchener Rück. Von Bomhard sagte, zurzeit werde die Gruppe wegen der Kreditkrise „in Sippenhaft genommen“. Andererseits seien die Kurse Anfang des Jahrzehnts übertrieben gewesen. „Zu erwarten, dass der Kurs das unvernünftige Niveau des Jahres 2001 erreicht, ist unrealistisch.“

Vertreter des schwedischen Hedge-Fonds Cevian, der Ende 2007 weitreichende Änderungen bei der Münchener Rück angemahnt hatte, ergriffen nicht das Wort. „Das war nicht nötig, wir führen einen konstruktiven Dialog mit Vorstand und Aufsichtsrat“, sagte Lars Förberg der FTD, Managing Partner bei Cevian. Der nächste wichtige Schritt sei ohnehin die Wahl des Aufsichtsrats, die am Donnerstag nicht auf der Tagesordnung stand, sondern erst 2009 fällig ist. „Wir wollen sicherstellen, dass die nötige Sachkenntnis im nächsten Aufsichtsrat vertreten ist“, sagte er. Nicht sagen wollte Förberg, ob Cevian 2009 einen Kandidaten aufstellen wird. Das Unternehmen hält nach eigenen Angaben knapp drei Prozent an der Münchener Rück.

Von Bomhard begrüßte, dass sich Warren Buffetts Berkshire Hathaway beteiligt habe. Zur Höhe – Unternehmenskreise sprachen von „unter einem Prozent“ – sagte er nichts. „Ein interessanter und gut beleumundeter Großaktionär kam hinzu“, so von Bomhard. Das sei eine hohe Anerkennung, es gebe auch Geschäft mit Berkshire.

Finanzchef Jörg Schneider sagte, dass die Münchener Rück zur Ertragssteigerung verstärkt in Kreditrisiken anlege. Lange Zeit seien die Margen nicht attraktiv gewesen, das habe sich geändert. Die Münchener Rück investiere jetzt vermehrt in Unternehmensanleihen und verbriefte Darlehensforderungen (Asset-Backed Securities) von guter Qualität.

2007 musste das Unternehmen auf Papiere, die durch die US-Kreditkrise betroffen waren, 166 Mio. Euro abschreiben, das Engagement betrug zur Jahreswende noch 340 Mio. Euro.

Von Bomhard verteidigte vehement die Integration von Rückversicherung in Gestalt der Muttergesellschaft und Erstversicherung, die vor allem in der Düsseldorfer Tochter Ergo gebündelt ist. „Aus der Gruppe können keine Konzernteile herausgelöst werden, ohne den Gesamterfolg des Konzepts zu gefährden“, sagte er zu immer wieder geäußerten Forderungen von Anlegern und Analysten, Ergo zu verkaufen oder separat an die Börse zu bringen. Die Erstversicherung sei wachstumsstärker, während bei der Rückversicherung die Gewinnchancen höher seien.

Zitat:

„Großschäden belasten das Ergebnis“ – Nikolaus von Bomhard, Münchener Rück –

Bild(er):

Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard hält die vergangenen Kurse von über 370 Euro für „unsinnig“. Am Donnerstag schloss der Wert im Minus – ddp/Joerg Koch

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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