Ergo buhlt mit neuem Tarif um Kunden

Krankenversicherer verschärft Preiskampf mit bislang ungewöhnlicher Kopplungvon Leistungen und Arztwahl

VON Patrick Hagen, Köln

Die Krankenversicherer der Ergo-Gruppe heizen mit neuen Tarifen den Wettbewerb in der privaten Krankenversicherung (PKV) an. Die Leistungen sind an ein Netzwerk aus Partner-Ärzten, das Ergo derzeit aufbaut, geknüpft. Nutzt der Kunde die ausgewählten Ärzte, kann er auf günstigere Versicherungsbeiträge oder zusätzliche Leistungen hoffen.

Die Ergo-Gruppe, eine Tochter der Münchener Rück, ist mit den Marken DKV und Victoria in der Krankenversicherung aktiv. Die DKV ist der zweitgrößte private Krankenversicherer in Deutschland. Ergo wird mit den neuen Tarifen indirekt zu einem Anbieter von Leistungen im Gesundheitsmarkt. Damit setzt sich der Trend in der Assekuranz fort, dass Versicherer mehr Leistungen für ihre Kunden erbringen. Einige Kfz-Versicherer arbeiten mit eigenen Netzwerken von Partnerwerkstätten. Kunden, die diese nutzen, zahlen weniger Prämie. Auch Policen mit zusätzlichen Serviceleistungen, etwa für Handwerker, sind im Angebot.

Das Gesundheitswesen stellt allerdings einen Sonderfall dar. Anders als die gesetzlichen Krankenkassen darf die PKV keine direkten Verträge über medizinische Leistungen abschließen, Vereinbarungen über Serviceleistungen sind aber erlaubt. Hier setzt Ergo an: Die neuen Tarife beinhalten Leistungen wie die telefonische Erstberatung von Versicherten durch Ärzte, einen Rechnungscheck oder die Erinnerung an Vorsorgeuntersuchungen.

Die neue Tarifstruktur besteht aus fünf Stufen. Die drei günstigsten Tarife sehen eine Hausarztbindung vor – das heißt, der Kunde darf nicht direkt zum Facharzt gehen, sonst zahlt der Versicherer nur einen Teil der Behandlungskosten. Die Hausarztbindung entfällt aber, wenn der Versicherte einen der Ergo-Partnerärzte aufsucht.

Bis Jahresende will der Versicherer mit 300 Ärzten aus sieben Fachgebieten in 15 Städten Serviceverträge abschließen. „Wir wollen frühzeitig die besten Ärzte an uns binden“, hatte Jochen Messemer, Vorstand bei den Ergo-Krankenversicherern DKV und Victoria im Juli den Aufbau des Ärztenetzes im Gespräch mit der FTD begründet. Die Ärzte müssen bestimmte Qualitäts- und Servicekriterien erfüllen. Wie viele Ärzte Ergo bislang schon für das Projekt gewonnen hat, wollte das Unternehmen nicht sagen.

Daneben gehören die Ärzte aus den Gomedus-Gesundheitszentren der Ergo zu dem Netz. Bisher gibt es die Zentren in Köln und Düsseldorf, ein drittes soll dieses Jahr in Berlin eröffnen. Insgesamt soll es einmal zwölf Gomedus-Zentren geben.

Andere große Krankenversicherer wie Marktführer Debeka oder der Branchendritte Allianz planen solche Netzwerke derzeit nicht. Aufgrund des zersplitterten PKV-Markts ist es nach Ansicht von Branchenbeobachtern schwierig, flächendeckende Kooperationen mit qualifizierten Ärzte zu schaffen.

Die neuen Tarife sollen deutlich weniger kosten. „Wir gehören damit im Durchschnitt zu den fünf günstigsten Versicherern“, sagte eine Ergo-Sprecherin. Der mittlere der Tarife sei bei gleichen Leistungen um 30 Prozent günstiger als ein alter Vertrag. Die Ergo-Krankenversicherer treten damit verstärkt in den Wettbewerb um die Kunden der privaten Konkurrenz ein. Von 2009 an können Versicherte bei einem Wechsel einen Teil der Alterungsrückstellungen mitnehmen. Deshalb werden die Tarife für Neukunden teurer. Wer vor dem Stichtag unterschreibt, kann in einem günstigeren Tarif bleiben, aber später schwerer wechseln.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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