Makler Aon kauft Rivalen Benfield

Management empfiehlt Angebot · Weltmarktführer zahlt 935 Mio. Pfund

Von Herbert Fromme, Köln

Der Versicherungsmakler Aon in Chicago kauft für 844 Mio. £ (1,06 Mrd. Euro) den Rückversicherungsmakler Benfield in London und übernimmt Schulden in Höhe von 91 Mio. £. Benfield wird mit der Abteilung Aon Re zu Aon Benfield Re zusammengeführt.

Aon zahlt 350 Pence pro Aktie, eine Prämie von 29 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag. Die Aktie legte in Folge des Angebots am Freitag um 27,5 Prozent auf 345,5 Pence zu. Die Benfield-Führung, die rund 20 Prozent an der Firma hält, empfahl den Aktionären die Annahme.

Bis 2011 will Aon im Rückbereich jährlich Kosten von zehn Prozent oder 65 Mio. £ einsparen. In Deutschland sitzt Aon Re in Hamburg, während Benfield ein Büro in München unterhält.

Aon-Chef Greg Case sagte in einer Telefonkonferenz, die Fusion werde Umsatzzuwachs bringen und keinen Abrieb. Selbst wenn es Abrieb gäbe, stärke der Schritt beide Unternehmen.

Rückversicherungsmakler vermitteln Verträge, mit denen sich Erstversicherer wie Axa oder Gothaer gegen Großschäden und andere außergewöhnliche Belastungen bei Rückversicherern wie Swiss Re oder Scor absichern. Das Geschäft ist unter Druck. Die Preise sinken und damit auch die Provisionen für die Makler. Gleichzeitig verschärft sich die Konkurrenz: Investmentbanken, allen voran Goldman Sachs, bieten den Erstversicherern Verbriefungen von Risiken als Ersatz für traditionelle Rückversicherungen an.

Die beiden Weltmarktführer Aon und Marsh sind vor allem als Erstversicherungsmakler tätig, also im Verhältnis zwischen Endkunden aus Industrie und Gewerbe und den Versicherern. Ihre Rückversicherungsvermittlung ist deutlich kleiner. Benfield dagegen ist nur Rückversicherungsmakler und hat einen ausgezeichneten Ruf in der Branche. Jahrelang wehrte sich das Benfield-Management gegen Übernahmeangebote, auch von Aon. Mit Aon war Benfield sogar vor Gericht, weil der Konkurrent Spitzenpersonal mit unerlaubten Methoden abgeworben hatte.

Konzernchef Grahame Chilton sagte damals, die Interessenten „wollen Champagner trinken, haben aber nur Geld für Bier in der Tasche“. Doch jetzt wurde auch Benfield von den Branchenproblemen getroffen. Der Umsatz aus Provisionen und Beratungshonoraren ging von 341 Mio. £ im Jahr 2006 auf 326 Mio. £ 2007 zurück. Die Aktie verlor in den vergangenen 18 Monaten bis zum Übernahmeangebot satte 35 Prozent.

Jetzt gibt das Management auf und verkauft. Konzernchef Chilton soll Vice Chairman von Aon Benfield Re werden. Der Verkauf seiner Anteile bringt ihm 77 Mio. £ ein, Benfield-Chairman John Coldman erhält 49 Mio. £.

Für den Fall, dass ein anderer Interessent ein besseres Angebot macht und Aon nicht zum Zuge kommt, haben die beiden Seiten eine Gebühr in Höhe von 8,4 Mio. £ vereinbart. Wahrscheinlich ist ein solches Alternativangebot nicht. Der Makler Marsh, dessen Tochter Guy Carpenter als Rückversicherungsmakler arbeitet, hat nach Finanz- und Führungsturbulenzen derzeit genug eigene Probleme.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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