Berlin auf Distanz zu Hapag-Lloyd

Staatssekretärin Wöhrl trifft Chef der Bieters NOL · Hamburger wünschen mehrRückhalt

Von Katrin Berkenkopf

und Herbert Fromme, Köln

Die Bundesregierung bemüht sich beim Verkauf der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd durch den TUI-Konzern um eine neutrale Haltung. Wirtschaftsstaatssekretärin Dagmar Wöhrl bestätigte der FTD, dass sie sich auf dessen Bitte mit Ron Widdows getroffen habe, Chef der Containerreederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur. Wöhrl ist die maritime Koordinatorin der Bundesregierung.

Gleichzeitig äußerte Wöhrl „ein gewisses Verständnis“ für die Proteste gegen NOL in Hamburg: „Hapag-Lloyd hat eine enorme Tradition.“ Zudem spiele die Reederei eine wichtige Rolle bei der Ausbildung von deutschem Seefahrtspersonal und für die deutsche Flagge. Wöhrl wollte sich aber nicht darauf festlegen, dass Hapag-Lloyd diese Rolle nur mit einem deutschen Eigner spielen könne.

NOL konkurriert mit einem Konsortium aus Geschäftsleuten und der Stadt Hamburg. Mit dieser sogenannten „Hamburger Lösung“ soll ein Verkauf der Traditionsreederei ins Ausland verhindert werden.

Zum Inhalt des Gesprächs mit Widdows sagte Wöhrl nichts. „Die Atmosphäre war freundlich“, sagte eine mit der Unterredung vertraute Person. Hoffnungen Hamburger Lokalpolitiker, die Bundesregierung könne sich gegen eine Übernahme von Hapag-Lloyd durch NOL aussprechen, erhielten damit einen Dämpfer. Wöhrl galt bisher als Befürworterin der „Hamburger Lösung“. NOL gehört dem Singapur-Staatsfonds Temasek. Sowohl die Belegschaft von Hapag-Lloyd als auch die örtliche Politik sprechen sich gegen einen Verkauf der Reederei an NOL aus, weil sie den Verlust von Arbeitsplätzen und eine Schwächung des Schifffahrtsstandortes Hamburg befürchten.

Der Verkauf geht jetzt in die heiße Phase. Der Logistikunternehmer Michael Kühne, der das Hamburger Konsortium vertritt, kündigte für die nächsten Tage ein endgültiges Angebot an. NOL-Chef Widdows sagte der „Welt am Sonntag“ auf die Frage nach dem Angebot: „Es müsste etwas Dramatisches passieren, dass wir es nicht tun.“

Kühne rief indes die Bundesregierung zur Hilfe auf. „Der Hamburger Senat zeigt Flagge. Das wünsche ich mir auch von der Bundesregierung“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Für die Regierung wäre jede Parteinahme aber schwierig. Deutsche Schiffsfinanzierer und Eigner arbeiten weltweit mit Reedereien zusammen, offene Feindschaft gegen ausländische Anteilseigner würde dieses Geschäftsmodell stören.

Wöhrl kündigte gegenüber der FTD an, dass die Regierung die Forderung der Reeder nach einer Umstrukturierung der Schifffahrtsverwaltung unterstützt. Wer heute ein Schiff unter die deutsche Flagge bringen will, hat dafür mit rund 15 verschiedenen Behörden zu tun. „Natürlich wäre es hilfreich, nur einen Ansprechpartner zu haben“, sagte sie. Einen Zeitrahmen für die Reform wollte sie nicht nennen.

Im Gegenzug für steuerliche Förderung haben die heimischen Reeder Regierung zugesagt, bis Ende des Jahres 100 zusätzliche Schiffe unter die deutsche Flagge zu bringen. Wöhrl ist zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht wird. „Ich bin optimistischer als noch Anfang August.“ 2009 sollen es noch einmal 100 Schiffe mehr werden, sagte sie.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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