Rückversicherer uneins über Preise

Deutsche Konzerne erwarten starken Anstieg · Lloyds sagt dagegen Rückgangvoraus

 

Von Herbert Fromme, Baden-Baden

 

Die Rückversicherungsbranche ist gespalten in der Frage, ob die Finanzkrise ihr 2009 einen deutlichen Preisanstieg beschert. Marktführer Münchener Rück und die viertgrößte Gesellschaft Hannover Rück forderten gestern beim Baden-Badener Rückversicherungstreffen zweistellige Preiserhöhungen ein. Dagegen sagte Rolf Tolle aus dem Topmanagement des Londoner Versicherungsmarkts Lloyd’s, er glaube nicht an einen sofortigen Preisschub.

 

„Man kann noch nicht sagen, dass wir den Tiefpunkt des momentanen weichen Marktes erreicht haben“, sagte Tolle. „Es ist doch typisch für diese Branche, dass die Preissituation sich erst verändert, wenn wir Blut sehen“, sagte er und spielte damit auf Zusammenbrüche von Rückversicherern an. Die sieht er aber zurzeit nicht.

 

Rückversicherer geben Erstversicherern wie Provinzial oder der Alten Leipziger Deckung für Großschäden und weitere Spitzenbelastungen. Seit mindestens drei Jahren fallen die Preise, dennoch haben die großen Gesellschaften wie Münchener Rück, Swiss Re, Gen Re und Hannover Rück auch 2007 hohe Gewinne erzielt.

 

Der weltgrößte Spezialmakler Aon Re erwartet sogar weiter fallende Preise in wichtigen Marktfeldern. „Während einige Rückversicherer deutlich erhöhte Preise für sowohl das Schadenunfall- als aber auch für das Kraftfahrt-Rückversicherungsgeschäft fordern, gehen wir von attraktiveren Konditionen als im Vorjahr aus“, teilte Aon Re in einem Brief an seine Kunden mit. „Unsere ersten Erfahrungen vor der Baden-Baden-Konferenz bestätigen diese Einschätzung.“

 

Münchener-Rück-Vorstand Ludger Arnoldussen sagte, die gleichen Preise für ein unverändertes Risiko hätten 2007 ausreichend sein können, seien es jetzt aber nicht mehr. Das Risikokapital sei teurer geworden. „Unsere Aktionäre haben höhere Ansprüche an unsere Gewinne, das zeigt sich am fallenden Aktienkurs“, sagte der Manager. „Während das Angebot sinkt, steigt die Nachfrage bei den Erstversicherern.“ Seiner Meinung nach sprechen all diese Entwicklungen für einen Trendwechsel bei den Preisen.

 

Außerdem müssten die schlechteren Ergebnisse der Kapitalanlagen berücksichtigt werden. Die Münchener Rück biete hohe Sicherheit in unsicheren Zeiten, das habe seinen Preis, sagte Arnoldussen. Die jüngsten Rückgänge an den Börsen und der Abschreibungsbedarf auf viele Wertpapiere hätten das in der Rückversicherungsbranche verfügbare Kapital stark reduziert.

 

Teilnehmer des Treffens sagten, der scharfe Rückgang der Börsenkurse sorge für große Unsicherheit im Markt. „Es kann sich herausstellen, dass wir erst im Dezember klarer sehen“, sagte der Einkäufer einer Gesellschaft.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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