Versicherer Aegon benötigt Staatshilfe

US-Geschäft belastet niederländische Gruppe

Von Herbert Fromme, Köln

Der niederländische Versicherungskonzern Aegon, der einen Großteil seines Umsatzes in den USA erzielt, braucht Staatshilfe. Die Regierung in Den Haag stellt dem Unternehmen aus seinem 20 Mrd. Euro schweren Hilfsfonds 3 Mrd. Euro frisches Geld zur Verfügung und erhält zwei Sitze im Aufsichtsrat. Der Versicherer wird über die im September ausgezahlten 0,30 Euro Interimsdividende hinaus keine Ausschüttung für 2008 vornehmen und auch keine Boni an Manager zahlen.

Aegon folgt dem Konkurrenten ING, der als Bank und Versicherer tätig ist und in der vergangenen Woche 10 Mrd. Euro an Staatshilfe erhalten hatte. Die beiden anderen niederländischen Finanz-Schwergewichte Fortis und dessen Tochter ABN Amro wurden mittlerweile verstaatlicht.

Aegon gab gestern auch bekannt, dass der Konzern für das dritte Quartal einen Nettoverlust von rund 350 Mio. Euro erwartet, vor allem aus Abschreibungen und Wertberichtigungen von zusammen 800 Mio. Euro. Genaue Zahlen will das Unternehmen am 6. November vorlegen.

Die Aegon-Aktie verlor gestern in Amsterdam 13,96 Prozent auf 2,91 Euro. Offenbar fürchten die Anleger weitere Belastungen. Der Hilferuf des niederländischen Versicherers zog andere europäische Versicherungswerte nach unten. Allianz verlor 7,3 Prozent auf 48,20 Euro, den niedrigsten Stand seit März 2003. Axa verlor 7,8 Prozent auf 12,04 Euro, die Münchener Rück 6,2 Prozent auf 81,12 Euro.

Sorge um Versicherer

„Während wir die Kapitalsituation des Sektors insgesamt für gesund halten, können wir wegen der Schärfe der Aktienmarkteinbrüche Kapitalmaßnahmen bei einer Reihe von wichtigen Gesellschaften nicht ausschließen“, erklärten die Analysten von Credit Suisse gestern in einer Mitteilung.

Die Staatshilfe wird über die Aegon-Stiftung geleitet, die über 34 Prozent der Stimmrechte an dem Unternehmen verfügt. Aegon gibt 750 Millionen stimmrechtlose Aktien an die Stiftung aus, die sie mit Hilfe des Staatsdarlehens für 4 Euro pro Stück kauft. Die Regierung erhält mindestens 8,5 Prozent Zinsen pro Jahr. „Wir gehen jetzt mit einer deutlich gestärkten Kapitalbasis in das Jahr 2009“, sagte Konzernchef Alex Wynaendts.

Bislang galten europäische Versicherer als weitgehend immun gegen direkte Krisenfolgen. Anders als die Banken haben sie keine Probleme mit der Liquidität, weil ihre Kunden ständig Beiträge zahlen und ihre Kapitalanlagen langfristig angelegt sind. Doch jetzt wirken sich hohe Abschreibungen auf Aktien bei fast allen Unternehmen aus. Dazu kommen bei einigen Unternehmen direkte Einschläge aus Subprime-Investitionen sowie enge Beziehungen zu Banken, wie bei Allianz zu Dresdner und Commerzbank.

Deutsche Versicherer haben bisher einmütig erklärt, sie würden von dem Hilfspaket der Bundesregierung für den Finanzsektor keinen Gebrauch machen, auch wenn die Bundesregierung sie neben den Banken und Pensionsfonds als mögliche Empfänger nennt.

Große US-Gesellschaft

Aegon gehört zu den größten Lebensversicherungskonzernen der Welt. Hauptmärkte sind die Niederlande, Großbritannien und die USA. Dort gehören dem Unternehmen sieben große Gesellschaften, die größten sind Transamerica Life, Monumental Life und Transamerica Occidental Life. 2007 schloss der Konzern ein Kooperationsabkommen mit Merrill Lynch und kaufte der Bank zwei Lebensversicherer ab. In Deutschland war Aegon mit der Moneymaxx-Lebenspolice bekannt, verkaufte aber 2005 die Aegon Lebensversicherung an den zur Basler gehörenden Deutschen Ring.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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