Bâloise düpiert deutschen Partner

Töchter des Versicherers bekommen gemeinsame Führung · Deutscher Ringkritisiert Alleingang der Schweizer

Von Ilse Schlingensiepen, Köln

Der schweizerische Versicherer Bâloise reorganisiert seine beiden deutschen Töchter und geht dabei auf Konfrontation zur Deutscher Ring Krankenversicherung. Die bisher getrennt arbeitenden Gesellschaften Basler Versicherungen in Bad Homburg und Deutscher Ring Sach- und Lebensversicherung in Hamburg bekommen ein einheitliches Management. Chef der neuen Einheit wird Frank Grund. Der bisherige Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rings, Wolfgang Fauter, wird der neuen Führungsspitze nicht angehören, soll aber weiter der Deutscher Ring Krankenversicherung vorstehen.

Während der Sach- und der Lebensversicherer des Deutschen Rings 100-prozentige Töchter der Schweizer sind, gehört der Krankenversicherer als Verein seinen Mitgliedern. Die drei Gesellschaften arbeiten jedoch eng verzahnt und teilen sich Mitarbeiter. Diese Konstellation hatte auch dazu beigetragen, dass die angestrebte Fusion von Bâloise mit der Gothaer im Februar dieses Jahres abgeblasen wurde. „Der Vorstand in Hamburg ist Diener zweier Herren, er leitet ein Unternehmen, das nicht zu Bâloise gehört“, sagte der designierte Chef Grund gestern in einer Telefonkonferenz. Deutschland sei für die Baseler Gruppe ein wichtiger Kernmarkt. „Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern und ertragreich wachsen.“ Angesichts des sich ändernden Marktumfelds sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die Gruppe für die Zukunft zu rüsten. „Wir wollen die Kompetenzen bündeln, den Marktzugang verbreitern und Synergien realisieren, etwa im Vertrieb und in der IT.“

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutscher Ring Krankenversicherung hat das Vorgehen von Bâloise hingegen scharf kritisiert. Er sei von der Ankündigung überrascht worden, teilte Dietmar Illert mit. „Die Alleinaktionärin der Deutscher Ring Lebensversicherung und Sachversicherung rückt von der jahrzehntelangen Praxis ab, Entscheidungen zur Struktur der Unternehmensgruppe einvernehmlich mit dem Aufsichtsrat der Krankenversicherung zu erörtern.“

Die Vorstandsverträge für die drei Gesellschaften seien zudem im Oktober um fünf Jahre verlängert worden – unter Mitwirkung von Bâloise. Die enge Verknüpfung der drei Deutscher-Ring-Gesellschaften sei bereits bei dem Fusionsversuch mit der Gothaer unterschätzt worden, sagte der Sprecher des Aufsichtsratsvorsitzenden Illert. „Es ist erstaunlich, dass es seitdem bei der Bâloise keinen Lernfortschritt gegeben hat.“

Bâloise betonte, die Gesellschaft stehe zu ihrer „bewährten Partnerschaft“ mit der Deutscher Ring Krankenversicherung. Die Harmonisierung der Führungsspitze wollte er nicht als Strafaktion gegen Fauter und Reaktion auf die gescheiterte Fusion mit der Gothaer verstanden wissen.

Quelle: Financial Times Deutschland


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