Perfekt kombiniert

Unternehmen versuchen verstärkt, sämtliche Verkehrsträger geschickt zuverknüpfen. Das macht den Transport billiger und sorgt ganz nebenbei für grünesImage

VON Patrick Hagen

Beinahe zwanghaft bemüht sich die Logistikbranche um ein umweltfreundliches Image. Sowohl Zugbetreiber als auch Schifffahrtsunternehmen wetteifern darum, wer die sauberste Alternative zum Lkw bietet. Der Grund: Für Unternehmen spielt neben der Geschwindigkeit und Pünktlichkeit auch die Klimabilanz eines Verkehrsmittels eine immer wichtigere Rolle. Eine wachsende Zahl von Firmen will sich darüber hinaus nicht mehr zwischen einzelnen Verkehrsträgern entscheiden, sondern setzt darauf, sie ideal zu kombinieren. Der Vorteil: geringere Kosten, höhere Zuverlässigkeit – und das Ansehen in der Öffentlichkeit verbessert sich auch.

Mit dem gezielten Einsatz verschiedener Transportmittel versuchen Unternehmen, die spezifischen Stärken einzelner Verkehrsträger zu nutzen. Logistiker bezeichnen die Verbindung von Zug, Schiff und Lastwagen auf einer Strecke als Intermodalverkehr. „Intermodale Verkehre sind eine Alternative zum durchgehenden Straßen- oder Eisenbahngüterverkehr, vor allem für grenzüberschreitende Transporte auf langen Strecken“, sagt Albert Blum, Leiter des zentralen Verkehrswesens bei Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH). „Sie bieten Zuverlässigkeit, ausreichende Schnelligkeit und Kostenvorteile.“

Blums Unternehmen setzt seit fünf Jahren auf die optimale Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger. Vorher transportierte der Hersteller seine Kühlschränke und Waschmaschinen fast durchgängig mit dem Lkw. Mittlerweile nutzt BSH auch Wasserwege und die Schiene. „Wir entwickelten eine Strategie, die es uns ermöglicht, den Straßengüterverkehr soweit wie möglich durch alternative Verkehrsträger zu ersetzen“, sagt Blum. „Unsere Hausgeräte reisen nicht mehr wie früher in langen Lkw-Schlangen durch Europa, sondern nahezu ebenso schnell mit Bahn und Schiff und nur noch im Nahbereich im Lkw.“

Verschickt BSH Ladung nach Großbritannien kommen Lkw, Binnenschiff, Seeschiff zum Einsatz. Wird Ladung nach Spanien oder Griechenland verschickt, kombinieren die Logistiker der Firma Bahn und Lkw.

Noch immer ist der Lkw für deutsche Unternehmen das wichtigste Transportmittel. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts werden rund 70 Prozent der Transportleistung über Autobahnen und Landstraßen erbracht. Die Bahn kommt auf etwa 17 Prozent, während das Binnenschiff weit abgeschlagen bei rund zehn Prozent liegt. Lange Zeit konnte der Lastwagen vor allem mit Schnelligkeit und Flexibilität gegenüber Schienen und Wasserswegen punkten.

Aber die Bahn holt auf: Laut einer Studie der Deutschen Bank zur Logistik in Deutschland ist die Verkehrsleistung in den vergangenen Jahren auf der Schiene deutlich stärker gewachsen als auf der Straße. Die hohen Dieselpreise und die Lkw-Maut haben die Schiene gegenüber dem Lkw beliebter gemacht. Auch die Vorschriften zu Lenk- und Ruhezeiten, die einen Anstieg der Personalkosten mit sich gebracht haben, machen die Bahn wettbewerbsfähiger.

„Bei weiterhin hohen oder gar steigenden Energiekosten dürfte die Schiene ihren Anteil am Modalsplit im Transportmarkt in Deutschland ausbauen“, prognostizieren die Analysten der Deutschen Bank. Anders sieht es mit der Binnenschifffahrt aus. Sie „dürfte dagegen weiter an Bedeutung verlieren“, heißt es.

Auch BSH wollte vom Lkw-Verkehr und den steigenden Kosten unabhängiger werden. „Zudem wollten wir durch unsere Initiative einen Beitrag zur Entlastung der Umwelt leisten“, sagt Blum. Ein Nachteil der Strategie: Das häufigere Umladen kostet Zeit. Für „extrem zeitkritische Transporte“ sei sie nicht geeignet, sagt er. Der Transport mit dem Lkw ist zwar schneller, sei aber durch die häufigen Staus auf den Autobahnen kaum planbar. „Nicht immer kommt es auf Schnelligkeit, sondern eher auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Transporte an“, sagt Blum.

Ein verbessertes Zusammenspiel der verschiedenen Verkehrsträger könnte auch helfen, die verstopften Seehäfen zu entlasten. Das Umschlagsunternehmen Eurogate mit Sitz in Hamburg und Bremen richtet zurzeit zentrale Sammelstellen in Binnenhäfen ein. Dort sollen Container gebündelt werden, bevor sie außerhalb der Stoßzeiten per Binnenschiff, Zug oder Lkw nach Hamburg oder Bremerhaven gebracht werden. „Damit entlasten wir den Hafen, und die Container sind näher am Kunden“, sagt Eurogate-Chef Emanuel Schiffer. Auch der Hamburger Terminalbetreiber HHLA prüft die Einrichtung solcher Binnenterminals.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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