Schuppli streitet mit Bankenverband

Ex-Eigner der Düsselhyp klagt wegen Bewertung des Instituts ·Rechtsschutzversicherer steht zum Verkauf

Von Herbert Fromme, München,

und Rolf Lebert, Frankfurt

Der Wiesbadener Investor Wolfgang Schuppli liegt nach Informationen der FTD aus Finanzkreisen mit dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) im Streit. Eine Firma, die dem Umfeld der Schuppli-Gruppe zuzurechnen sei, habe vor dem Landgericht Düsseldorf Klage erhoben, hieß es. Es geht um die Bewertung der Düsseldorfer Hypothekenbank (Düsselhyp), die seit April von dem Verband kontrolliert wird. Offenbar will die Familie Schuppli eine höhere Entschädigung. Den Verkauf selbst stelle Schuppli aber nicht in Frage.

Der 86-jährige Milliardär wollte zu der Klage nicht Stellung nehmen. Er bestätigte aber FTD-Informationen, dass er die Deutsche Rechtsschutzversicherung AG (Deurag) verkaufen wolle. „Ich will mich zurückziehen, und meine Söhne sind zu jung für eine Übernahme“, sagte er. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Verkauf der Deurag und den Problemen der Düsseldorfer Hypothekenbank. „Es ist grober Unsinn zu behaupten, ich wolle die Deurag verkaufen, um irgendwo Löcher zu stopfen.“ Er habe es satt , als „Pleitier“ bezeichnet zu werden, der durch die Kreditkrise angeschlagen sei. Seine Gruppe sei finanziell gesund, sagte er.

Die Familie Schuppli hatte die Düsselhyp im April auf den Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes übertragen. Zwar hatte sich das Institut nicht am US-Kreditderivatemarkt verhoben, hatte aber Probleme mit dem margenschwachen Staatskreditgeschäft. Die an sich werthaltigen Bestände an Staatskrediten und anderen Papieren gerieten durch die Verwerfungen an den Finanzmärkten unter Druck und mussten wertberichtigt werden. Erst Anfang 2008 hatte Schuppli das Eigenkapital der Bank um 150 Mio.Euro erhöht, um ihr den Einstieg in die gewerbliche Immobilienfinanzierung als zweites Standbein neben dem Staatskreditgeschäft zu ermöglichen.

Bei der Übernahme der Anteile an der Bank durch den Sicherungsfonds ging es nicht darum, die ausreichend kapitalisierte Bank mit einer Bilanzsumme von 27 Mrd. Euro vor dem Zusammenbruch zu retten, sondern den Pfandbriefmarkt zu schützen. Dass sich die Probleme der Bank auf diesen Markt negativ auswirken könnten, zeichnete sich wegen der anhaltenden Gerüchte um die Düsselhyp bereits ab. Ein potenzieller Käufer der Bank soll das Pfandbriefgeschäft weiter betreiben. Noch im laufenden Jahr will der Einlagensicherungsfonds die Bank verkaufen. Bereits Anfang des Jahres hatte Schuppli seinen Anteil von 49,9 Prozent an der Essener Hypothekenbank an den Mehrheitseigner Commerzbank abgegeben.

Ebenfalls bis Ende 2008 soll nach Angaben Schupplis der Verkauf des Versicherers Deurag über die Bühne gehen. Schuppli hatte das Unternehmen 1956 als vierten Rechtsschutzversicherer in Deutschland gegründet. 2007 erzielte das Unternehmen Prämieneinnahmen von 99 Mio. Euro. Damit ist es Nummer 10 in einem hart umkämpften Markt, der kaum noch wächst und heute 3,2 Mrd. Euro schwer ist. In Versicherungskreisen hieß es, der Wiesbadener Unternehmer verlange für sein Unternehmen rund 120 Mio. Euro, potenzielle Käufer wollten nur bis zu 70 Mio. Euro bieten. „Diese Zahlen sind nicht zutreffend“, sagte Schuppli. Es gebe „sieben bis acht Interessenten“ für die Deurag. Namen wollte Schuppli nicht nennen. Mit 600 000 Kunden sei das Unternehmen hoch attraktiv für Käufer.

Für Deurag sollen sich schon der Marktzweite DAS, der zur Münchener Rück gehört, und der Branchendritte Arag interessiert haben, die 387 Mio. Euro und 327 Mio. Euro Rechtsschutzprämien aufwiesen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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