Versicherer geben sich gelassen

Lobbyverband hält Folgen der Kreditkrise für gering

Von Herbert Fromme, Köln

Nach Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) steht die Assekuranz im Kerngeschäft 2008 besser da als befürchtet. Nach einer Analyse, die am Mittwoch publiziert werden soll, hat sich die Lage in der Schaden- und Unfallversicherung (Gebäude, Autos, Unfall, Haftpflicht) 2008 etwas entspannt. „Die vorliegenden Halbjahreszahlen deuten darauf hin, dass sich der versicherungstechnische Gewinn mit rund 2,6 Mrd. Euro um etwa 0,5 Mrd. Euro über dem Niveau des Vorjahres bewegen dürfte“, schreibt der GDV.

Zur Kreditkrise heißt es in der bereits vor Wochen abgeschlossenen Analyse, dass die Branche kaum betroffen sei. Die Versicherer hielten Ende 2007 nur 3,1 Prozent ihrer gesamten Kapitalanlagen, die sich damals auf 1143 Mrd. Euro beliefen, in alternativen Investments. Zum selben Stichtag hielten die Lebensversicherer 8,5 Prozent ihrer Anlagen in Aktien. Branchenkreise wiesen darauf hin, dass alle Zahlen in dieser Woche noch aktualisiert würden. „Der Trend bleibt aber“, hieß es.

Hauptgrund für die Verbesserung in den Schaden-Unfall-Sparten sei, dass die Versicherer 2008 bislang von Sonderbelastungen wie dem Orkan „Kyrill“ verschont blieben. Außerdem steigen die Beitragseinnahmen hier um 0,2 Prozent auf 54,6 Mrd. Euro, nachdem sie 2007 um 0,9 Prozent gefallen waren.

Die Zunahme beruht vor allem auf höheren Preisen in der gewerblichen und privaten Sachversicherung. Dagegen geht der Umsatz sowohl in der Industrie- als auch in der Autoversicherung erneut zurück, bei Auto zum vierten Mal hintereinander. Für 2008 schätzt der GDV hier einen Rückgang um 1,7 Prozent auf 20,4 Mrd. Euro und erwartet eine Schaden- und Kostenquote von 102 Prozent der Beitragseinnahmen nach 98,1 Prozent im Jahr 2007. Damit wäre die Sparte technisch im roten Bereich. Jedoch erzielt die Branche hier wegen hoher Schadenreserven Kapitalerträge von über 2 Mrd. Euro, betriebswirtschaftlich macht sie Gewinn.

Die gesamten Prämieneinnahmen belaufen sich 2008 auf 165,3 Mrd. Euro, ein Plus von 1,5 Prozent. Vor allem private Krankenversicherer legen zu, sie melden – hauptsächlich wegen Prämienerhöhungen – ein Plus von 2,9 Prozent auf 30,3 Mrd. Euro. Die Lebensversicherung erwartet mit 80,4 Mrd. Euro 1,8 Prozent mehr Beitrag.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit