AIG wehrt sich gegen Rivalen

„Kunden wollen bei uns versichern“ · Interview mit Manager Ralph Mucerino

Von Herbert Fromme, Köln

Der angeschlagene US-Versicherungsriese AIG ist auch 2009 an Industrieversicherungs- Konsortien beteiligt, in denen Rivalen wie die Allianz für ihn in Vorleistung treten. Ralph Mucerino, Chief Operating Officer von American International Underwriters (AIU), widersprach damit im FTD-Interview Äußerungen von Konkurrenten, nach denen sie überhaupt nicht mehr für AIG vorfinanzieren.

AIU ist die Industrieversicherungsabteilung von AIG. „Eine ganze Reihe großer Kunden hat gegenüber anderen Versicherern darauf bestanden, dass wir in den Konsortien bleiben“, sagte Mucerino. Auf Wunsch der Kunden träten die Konkurrenten wie bisher für AIG in Vorleistung.

Der Chef der Allianz-Industrieversicherung Axel Theis hatte Ende Dezember erklärt, die Allianz werde prinzipiell nicht mehr für AIG vorfinanzieren. Das hätte die Möglichkeit für den US-Versicherer, sich an Großrisiken zu beteiligen, deutlich eingeschränkt. Die Allianz fürchtet, bei Finanzproblemen der operativen AIG-Versicherer auf Forderungen sitzen zu bleiben. Laut Mucerino gibt es auf Kundenseite Widerstand gegen diese rigide Haltung der Rivalen.

AIG war im September von der US-Regierung aufgefangen worden. Das Hilfspaket beläuft sich inzwischen auf 152 Mrd. $. Die gigantischen Verluste stammten aus der Absicherung von Kreditderivaten, die mit dem Kerngeschäft Versicherung wenig zu tun hat. AIG versucht, durch den Verkauf von Unternehmensteilen die Schulden bei der Regierung zu reduzieren und den Kern, die Industrieversicherung, zu erhalten.

Mucerino sagte, die Konkurrenz sei frustriert, weil sie kaum Erfolge beim Abwerben von Kunden habe. „Deutlich über 90 Prozent unserer Großkunden sind bei uns geblieben.“ Auch die Behauptung, AIG unterbiete Wettbewerber, um Kunden zu erhalten, sei unwahr. „Unsere disziplinierten Standards bei der Beurteilung von Risiken und der Preisfestsetzung sind unverändert geblieben“, sagte Mucerino. „Wer gegen uns nicht zum Zug kommt, erzählt gern, dass wir mit unfairen Preisen arbeiten.“

Mucerino bestätigte, dass eine ganze Reihe hochrangiger Manager und Experten den Versicherer verlassen habe. Im Markt heißt es, vor allem Zurich und Allianz hätten davon profitiert. „Aber wir hatten keine Probleme, diese Positionen wieder mit sehr guten Kollegen zu besetzen“, so Mucerino. Seit September seien 60 Manager neu angestellt worden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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