R+V profiliert sich gegen DZ Bank

Versicherungskonzern spricht von „erfolgreichem Jahr“ · Mutter erleidetVerlust

Von Herbert Fromme, Köln

Der zum genossenschaftlichen Finanzverbund gehörende Versicherer R+V hat erste Andeutungen über ein erfolgreiches Jahr 2008 veröffentlicht – die zumindest vordergründig im Widerspruch zu Äußerungen des Mehrheitsaktionärs DZ Bank stehen. „Wir haben das Geschäftsjahr 2008 trotz Finanzmarktkrise erfolgreich abgeschlossen“, verkündete R+V-Chef Friedrich Caspers in einer Pressemitteilung. „Unterm Strich konnten wir ein zufriedenstellendes Jahresergebnis erwirtschaften.“ Zahlen nannte er nicht, sie sollen am 4. Mai folgen.

Die DZ Bank hält rund 74 Prozent an dem Wiesbadener Versicherer und konsolidiert ihn in ihrer Bilanz. Der Name R+V steht für Raiffeisen und Volksbanken. Der Rest der Anteile liegt bei der WGZ und einzelnen Genossenschaftsbanken.

Caspers‘ Krisenentwarnung kontrastiert deutlich mit einer Mitteilung der DZ Bank: Sie hatte in der vergangenen Woche einen Verlust von rund 1 Mrd. Euro für 2008 angekündigt und „Wertkorrekturen auf Wertpapierbestände in Höhe von rund 1,2 Mrd. Euro bei der DZ Bank und der R+V Versicherung“ gemeldet. In Bankkreisen hieß es, der Versicherer habe 2008 Abschreibungsbedarf im dreistelligen Millionenbereich gehabt. Allerdings sei die Summe teilweise in die Neubewertungsrücklage eingestellt worden. Damit seien die Abschreibungen nicht sofort ergebniswirksam.

Die R+V-Mitteilung nun liest sich sehr viel positiver. „Natürlich ist auch R+V von dem weltweiten Verfall der Aktienkurse und den teilweise deutlichen Spreadausweitungen im Zinsbereich betroffen“, konzedierte Caspers. Aber der Versicherer habe früh die Aktienquote heruntergefahren; aktuell liege sie bei weniger als fünf Prozent. „Und wir haben weder in Kreditrisiken investiert, die unmittelbar von der Finanzkrise betroffen sind, noch Ausfälle verzeichnen müssen.“

Eine R+V-Sprecherin erklärte, das Unternehmen habe 2008 einen Gewinn erzielt. Es gebe keinen Grund, diese positive Nachricht zu verschweigen. Zur Höhe der Abschreibungen und ihrer Ergebniswirksamkeit wollte sie nichts sagen.

Präzise Zahlen veröffentlichte die R+V bereits zum Umsatz. Erneut legte das Unternehmen stärker zu als der Markt, der 2008 nach vorläufigen Schätzungen nur um 1,5 Prozent wuchs. R+V meldet dagegen ein Plus von 3,7 Prozent auf 9,87 Mrd. Euro Prämieneinnahmen nach HGB-Bilanzierung. Nach internationaler Rechnung unter IFRS, bei der Beiträge für fondsgebundene Policen nicht als Prämie zählen, wuchs die Gruppe um 4,5 Prozent auf 9,45 Mrd. Euro. Dazu trug auch die Übernahme der Condor-Versicherung im Oktober 2008 mit 125 Mio. Euro bei. Ohne diesen Faktor lag der Zuwachs nach HGB bei 2,4 Prozent. In der Lebensversicherung verbuchte die Gruppe 5,09 Mrd. Euro, plus 3,3 Prozent.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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