Swiss Re will Buffett auszahlen

Versicherer plant Rückkauf der Wandelanleihe des US-Investors · Gesellschaftsagt Kapitalerhöhung ab

Von Herbert Fromme, Zürich

S wiss Re will eine allzu enge Umarmung durch den US-Investor Warren Buffett vermeiden. Deshalb plant der zweitgrößte Rückversicherer der Welt, eine Anleihe in Höhe von 3 Mrd. Schweizer Franken zurückzuzahlen, die Buffetts Berkshire Re erworben hatte. Der Rückkauf soll erfolgen, bevor Buffett die Anleihe 2012 in Swiss-Re-Aktien umwandeln kann. Das sagte der neue Vorstandschef Stefan Lippe vor Journalisten in Zürich.

Buffett kam dem Rückversicherer Anfang Februar mit den 3 Mrd. Franken zu Hilfe – gegen die satte Verzinsung von zwölf Prozent jährlich. Nach drei Jahren kann er die Wandelanleihe in Aktien umwandeln, zum Preis von 25 Franken pro Papier. Dann hielte er deutlich mehr als 20 Prozent an dem Schweizer Versicherer. Heute besitzt er drei Prozent und übernimmt nach einem Anfang 2007 abgeschlossenen Deal 25 Prozent aller Risiken der Gesellschaft im Kerngeschäft Schaden- und Unfallrückversicherung.

Swiss Re kann die Anleihe nach zwei Jahren zu 120 Prozent des Nennwerts zurückkaufen. „Das ist, wenn Sie so wollen, eine Überbrückungsfinanzierung“, sagte Lippe der FTD. Er ist zuversichtlich, dass Swiss Re der Rückkauf gelingt.

Das Unternehmen musste rasch frisches Geld beschaffen, weil es sich mit der Absicherung von Kreditderivaten verhoben hatte. Anders als die Rivalen Münchener Rück und Hannover Rück hatte Swiss Re unter Vorstandschef Jacques Aigrain diese Geschäfte aktiv betrieben und 2007 ausgebaut. Nach dem Kollaps der Kreditmärkte erlitt die Gesellschaft 2008 rund 6 Mrd. Franken Verlust aus den riskanten Geschäften. Aigrain trat am 11. Februar zurück.

Nachfolger Lippe war bislang zuständig im Vorstand für das profitable Kerngeschäft Rückversicherung. „Das verlief 2008 sehr positiv“, sage Lippe. Deshalb beschränkte sich der Jahresverlust auf 864 Mio. Franken. 2007 hatte die Gesellschaft noch einen Gewinn von 4,2 Mrd. Franken verzeichnet.

Lippe nannte keine Gewinnziele für 2009 und machte keine grundlegenden Angaben zur künftigen strategischen Ausrichtung. „Geben Sie mir 90 Tage Zeit“, sagte er.

Verwaltungsratspräsident Peter Forstmoser kündigte an, dass die Hauptversammlung des Unternehmens um vier Wochen auf den 13. März vorgezogen worden sei. Bis dahin werde sich der Verwaltungsrat intensiv Gedanken machen über „Struktur und Zusammensetzung“ des Gremiums. Verärgerte Aktionäre hatten den Rücktritt Forstmosters und seines Stellvertreters Walter Kielholz gefordert, der gleichzeitig Verwaltungsratspräsident bei Credit Suisse ist und für den riskanten Kurs bei Swiss Re mit verantwortlich gemacht wird. Die Aktie war in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 80 Prozent gefallen. Am Donnerstag fiel sie weiter um 5,0 Prozent auf 16,74 Franken.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte Swiss Re am Mittwoch um eine Stufe auf „A+“ herab. Ratings zeigen die Finanzstabilität und sind für einen Rückversicherer noch wichtiger als Autotests für einen Autohersteller. Doch Lippe spielte die Bedeutung herunter. „Es gibt wachsende Nachfrage nach Rückversicherung und weniger Angebot“, sagte er. Auch mit dem neuen Rating könne Swiss Re sich das Geschäft aussuchen.

Vorläufig verzichten will das Unternehmen auf die geplante Kapitalerhöhung um 2 Mrd. Franken. Grund ist der schwache Aktienkurs. Wenn Swiss Re eine Kapitalerhöhung zu einem Preis unter 25 Franken durchführt, kann Warren Buffett in drei Jahren zu dem neuen, niedrigeren Preis einsteigen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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