Talanx wildert bei Sparkassen

Versicherungstochter Neue Leben bricht in öffentlich-rechtliches Lager ein ·FTD-Interview mit Vorstand Kox

Von Herbert Fromme

und Anne-Christin Gröger, Hilden

Der Versicherer Talanx dringt erfolgreich in die Domäne der Sparkassen-Versicherer ein. „Unsere Gesellschaft Neue Leben hat gerade lang laufende, zum Teil exklusive Vertriebsvereinbarungen mit Sparkassen in Rostock, Potsdam, Lübeck und Mecklenburg-Nordwest abgeschlossen“, sagte Vorstand Norbert Kox der Financial Times Deutschland.

Damit verärgert er die öffentlichen Versicherer wie Provinzial, Sparkassenversicherung und VGH, die selbst zum Sparkassenlager gehören. „Wir haben in vielen Fällen einfach die besseren Produkte“, sagte Kox. „Viele Sparkassen suchen eine Alternative.“ Inzwischen erreiche die Neue Leben 19 Prozent des von allen Sparkassen vermittelten Leben-Neugeschäfts. Talanx hatte 2004 die Mehrheit an der Gesellschaft von der Hamburger Sparkasse und der Sparkasse Bremen gekauft. Die Neue Leben ist einer von drei Bankversicherern, die Talanx in der Zwischenholding Proactiv in Hilden gebündelt hat – die zweite Gesellschaft CiV verkauft nur über die deutsche Citibank, die zum französischen Crédit Mutuel gehört, die PB Versicherung über die Postbank.

Im Bankvertrieb sind die drei Proactiv-Firmen mit 407 Mio. Euro Neugeschäft (Annual Premium Equivalent, APE) 2008 die Nummer zwei – vor der genossenschaftlichen R+V und der Allianz. Nur die öffentlichen Versicherer sind zusammen mit über 500 Mio. Euro größer.

Die Finanzkrise wirke sich aus, sagte Kox. „Wir erleben eine generelle Kaufzurückhaltung, und die Banken hatten im Vertrieb sehr viel damit zu tun, die Kunden zu beraten und Problemfelder zu beseitigen.“ Das Neugeschäft habe Ende 2008 rund fünf Prozent unter dem des Vorjahres gelegen. „Das ist ein kurzfristiges Problem“, glaubt Kox. „Die Banken brauchen Ertrag. Provisionserträge aus dem Versicherungsverkauf sind risikofrei und hoch attraktiv.“

Kox sieht zwar Druck bei den Banken, Spargelder in die eigenen Kassen zu lenken. „Da stellt sich aber die Frage, wie sie mit dem Thema Altersvorsorge umgehen.“ Ein Bankmitarbeiter müsse entscheiden, ob ein Fondssparplan statt einer Lebensversicherung im besten Interesse des Kunden sei.

Die Krise wird manche Lebensversicherer deutlich treffen, erwartet Kox. „Neben der Kapitalmarktkrise haben wir auch noch Erschwernisse aus der Zinsentwicklung und aus Problemen bei manchen festverzinslichen Papieren“, sagte er. „Da werden einige noch Schwierigkeiten kriegen, deren Verwaltungs- und Vertriebskosten sehr hoch sind.“

Der Talanx-Vorstand sieht sein Unternehmen gut aufgestellt. Der Vertrieb über die Banken laufe gut, weil die Form der Kooperation richtig sei, sagte er. „Wir haben ein reines Betreuungssystem mit 90 Vertriebsmitarbeitern, der Verkauf erfolgt nur über die Bankmitarbeiter.“ Die Allianz dagegen beschäftigt 1000 Vertriebsmitarbeiter in den Filialen der Dresdner, die Banker leiten die Kunden nur weiter. „Deshalb konnte die Allianz die Vertriebskraft der Dresdner nicht heben.“

Probleme im eigenen Unternehmen gesteht aber auch der selbstbewusste Kox zu. Mit einer Stornoquote von 23 Prozent im Jahr 2007 liegt die CiV Leben sehr weit über dem Branchenschnitt von fünf Prozent. „Die Citibank hat natürlich vor allem an ihre Kredit-Privatkunden verkauft“, sagte Kox. „Wenn dann Kunden finanziell in die Klemme kommen, lösen sie als erstes die Versicherung auf.“ Die Bank habe inzwischen eine Qualitätsoffensive gestartet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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