Ergo jagt dem Geld der Sparer hinterher

Lebensversicherer hofft auf fondsgebundene Police

Von Herbert Fromme und Anne-Christin Gröger, Düsseldorf

Mit einer neuen fondsgebundenen Police versuchen die Lebensversicherer des Ergo-Konzerns, den seit Jahren anhaltenden Verlust von Marktanteilen zumindest aufzuhalten. „Viele Kunden haben relativ viel Geld flüssig. Das stammt aus Fonds, Zertifikaten und anderen Anlagen und liegt jetzt auf Festgeldkonten“, sagte Johannes Lörper, Vorstandsmitglied von Hamburg-Mannheimer und Victoria Lebensversicherung, der FTD.

Mit einer Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag vom Typ „Variable Annuity“ will Ergo auf diese Situation reagieren. Dabei garantiert das Unternehmen die eingezahlte Summe sowie eine Mindestverzinsung von einem Prozent. Indes: Verträge des Typs „Variable Annuity“ sind nicht unumstritten. Die Axa musste zwei dieser Tarife gerade vom Markt nehmen, weil die Garantien wegen der Ausschläge an den Märkten zu teuer wurden. Laut Lörper kosten die Garantien bei den neuen Ergo-Policen 2,6 Prozent der angelegten Summen pro Jahr. Das Kapital wird in börsengehandelten Indexfonds angelegt. „Die Risiken sichern wir durch Kapitalmarktinstrumente ab.“

Der Ergo-Konzern gehört zur Münchener Rück. Wie die meisten Lebensversicherer leiden die Töchter Hamburg-Mannheimer und Victoria unter der allgemeinen Marktflaute im Neugeschäft. Daneben aber verlieren die Ergo-Gesellschaften seit Jahren Marktanteile – 2003 hatten sie zusammen noch 9,1 Prozent, 2008 waren es rund 7,6 Prozent. Im selben Zeitraum steigerte Marktführer Allianz seinen Anteil von 15,2 Prozent auf 17 Prozent der Beiträge. Die Vorgaben der Mutter Münchener Rück sind klar: Ergo soll bis 2012 den Gewinn von 2007 verdoppelt haben und jährlich sechs Prozent wachsen.

Eine schwere Aufgabe, schließlich hatte die Victoria bereits 2001 bis 2003 heftig gelitten. Deshalb liegt die Gewinnbeteiligung für ihre Kunden seither unter dem Marktschnitt. „Mit der Victoria-Gewinnbeteiligung liegen wir im unteren Marktfeld“, sagte Lörper. „Die Vertriebskonzepte, die bei der Hamburg-Mannheimer in den 1970er- und 1980er-Jahren erfolgreich waren, gehen so jetzt nicht mehr, weil sie zu aufwendig sind und angepasst werden müssen“, sagte er weiter. Jetzt sei die Gruppe erstens im Umbau der Vertriebe, zweitens starte sie Produktinitiativen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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