Banken retten HCI – und sich selbst

HSH und Commerzbank schnüren Rettungspaket für Emissionshaus · Abschreibungenvermieden

Von Patrick Hagen, Köln

Das Hamburger Fondshaus HCI Capital hat mit seinen Gläubigerbanken ein Sanierungskonzept festgezurrt und ist vorerst gerettet. Vereinbart wurden ein Moratorium, die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital sowie eine Kapitalerhöhung. Das Emissionshaus leidet schwer unter der Schifffahrtskrise, die zum Einbruch der Platzierungszahlen geführt hat. Bei einer Pleite hätten die Banken – allen voran die ohnehin schwer angeschlagene HSH Nordbank und die teilverstaatlichte Commerzbank – hohe Summen auf Schiffsfinanzierungen und andere Darlehen abschreiben müssen.

Emissionshäuser wie HCI legen geschlossene Fonds zur Finanzierung von Schiffen, Immobilien oder Flugzeugen auf. Das Eigenkapital stellen Privatanleger. Der Rest kommt über Bankdarlehen, die mit einer Hypothek besichert sind. HCI war Marktführer in der Schiffsfinanzierung und hat im Boom viele neue Schiffe bestellt mit der Absicht, sie über Schiffsfonds zu finanzieren. Der Markt ist in der Krise ausgetrocknet.

Kern des Rettungspakets ist, dass die Banken bis zum 30. September 2013 auf mögliche Ansprüche aus Eventualverbindlichkeiten im Volumen von 1,5 Mrd.Euro verzichten. Das sind vor allem Bürgschaften, die HCI gegenüber Banken für die Bauzeitfinanzierung von Schiffen abgegeben hat.

In der Branche war es üblich, dass Banken auch den Bau der Schiffe vorfinanzierten. Von den Fondshäusern verlangten sie dafür umfangreiche Bürgschaften. An den Verhandlungen waren neben HSH und Commerzbank zehn weitere Banken beteiligt sowie der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young.

HCI hatte vor einem Jahr rund 80 Schiffe im Orderbuch stehen. In der Zwischenzeit konnten einige abbestellt werden, sagte Vorstandschef Ralf Friedrichs. Eine genaue Zahl nannte er nicht.

In einem zweiten Schritt soll HCI vollständig aus den Eventualverbindlichkeiten entlassen werden. Dafür müssen Banken und Reeder für jedes einzelne Schiffsprojekt eine neue Finanzierungsstruktur finden. „Das Ziel ist, HCI aus der Haftung zu bringen“, sagte Finanzvorstand Andreas Pres. „Das schließt aber nicht aus, dass wir die Schiffe zu einem späteren Zeitpunkt platzieren.“

Diese Enthaftung soll bis zum 28. April 2010 abgeschlossen sein. Das Datum ist aber nicht verbindlich. Im Gegenzug erhalten die Banken eine Ausgleichszahlung in Höhe von 12,5 Mio. Euro, die aber an bestimmte Ertrags- und Liquiditätsschwellen gekoppelt ist. Darüber hinaus sieht das Restrukturierungskonzept die Umwandlung von Bankdarlehen in Eigenkapital oder langfristige Finanzierungen vor. Die Banken haben HCI bereits 36 Mio. Euro bis Ende 2010 gestundet. Für die Umwandlung in Eigenkapital stehen 6 Mio. Euro genehmigtes Kapital bereit, die HCI in sechs Millionen Aktien gegen die gesamten Darlehensansprüche ausgeben will.

Sollten die Banken vom Tausch von Schulden in Aktien Gebrauch machen, würden Häuser wie die Commerzbank einmal mehr unfreiwilliger Anteilseigner eines in Not geratenen Unternehmens. Seit der Krise hat die Bank bereits häufiger Teile ihrer offenen Forderungen gegen Firmenanteile erlassen. Dadurch besteht für sie die Gefahr, dass alle anderen Kredite an das entsprechende Unternehmen im Insolvenzfall nachrangig zu den Forderungen anderer Gläubiger bedient werden.

Als letzter Schritt soll eine Kapitalerhöhung um 22 Mio.Euro folgen, die durch die Großaktionäre – die Reederei Döhle und den Konkurrenten MPC – garantiert wird.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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