Ergo verliert Geld in der Autodeckung

Munich-Re-Tochter profitiert aber vom Unfallgeschäft

Von Herbert Fromme, Köln

Die hohe Profitabilität der privaten Unfallversicherung spielte eine große Rolle für den Gewinn der Munich-Re-Tochter Ergo im Jahr 2009. In der Autoversicherung rutschte der Düsseldorfer Konzern dagegen in die roten Zahlen. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht hervor. Ergo bringt seine Zahlen in drei Happen unters Volk: Kernzahlen hatte die Firma bereits am 10. März mitgeteilt, vor allem die Gewinnsteigerung von 73 Mio. Euro auf 173 Mio. Euro und den Umsatzanstieg um 7,6 Prozent auf 19,1 Mrd. Euro. Der Geschäftsbericht kam gestern, die Bilanzpressekonferenz hält Ergo-Chef Torsten Oletzky heute ab.

Das Unfallgeschäft verlief 2009 im Branchenvergleich sensationell: Für 1 Euro Prämie musste der Konzern 2009 nur 33 Cent für Schäden aufwenden, verglichen mit 35 Cent im Vorjahr.

Unter Einschluss der Vertriebs- und Verwaltungskosten meldete Ergo in dieser Sparte eine Schaden-Kosten-Quote von 68,5 Prozent der Beitragseinnahmen. Im Jahr 2008 betrug sie 72,1 Prozent. Das half, Verluste in der Autoversicherung auszugleichen: Hier verschlechterte Ergo die Schaden-Kosten-Quote von 101,8 Prozent auf 108,0 Prozent der Beiträge. Allerdings wird das Defizit zum Teil durch Kapitalerträge aufgefangen.

Das Unternehmen veröffentlichte gestern ebenfalls die erforderlichen Dokumente für das bereits angekündigte Herausdrängen (Squeeze-out) der Minderheitsaktionäre. Sie halten noch 0,3 Prozent der Ergo-Papiere. In ihrem Gutachten zur Angemessenheit der Barabfindung, die 97,72 Euro pro Aktie beträgt, gehen die Wirtschaftsprüfer Ernst & Young von einer rasanten Gewinnentwicklung aus. Danach kann die Gesellschaft 2010 mit 444 Mio. Euro Gewinn rechnen, 2011 mit 556 Mio. Euro. In den beiden Folgejahren sollen es schon 636 Mio. Euro und 705 Mio. Euro sein. Das Gutachten bewertet Ergo mit 7 Mrd. Euro.

Aus der Einladung zur Hauptversammlung geht hervor, dass HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer in den Ergo-Aufsichtsrat einziehen soll. Die HVB verkauft Ergo-Policen. Ebenfalls vorgeschlagen wird Nadine Gatzert, Professorin für Versicherungswirtschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg. Sie ersetzen die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro sowie Theo Siegert vom Familienunternehmen de Haen-Carstanjen & Söhne.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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