Niedrigzins nutzt Provinzial Rheinland

Versicherer punktet gegen Banken im Einmalgeschäft

Von Anne-Christin Gröger

und Herbert Fromme, Düsseldorf

D ie Provinzial Rheinland in Düsseldorf profitiert von den unattraktiven Zinsen für viele Banksparpläne: Der Sparkassen-Versicherer verzeichnete 2009 einen Boom bei den Einmalbeiträgen. Kunden zahlten im Schnitt 50 000 Euro in eine Rentenpolice ein, die leicht kündbar ist. So holte das Unternehmen 426 Mio. Euro Beitragseinnahmen herein – eine Steigerung um 156 Prozent. Im Kerngeschäft Lebens- oder Rentenversicherungen gegen laufenden Beitrag setzte die Provinzial dagegen nur 65 Mio. Euro ab.

Wie bei vielen Wettbewerbern auch, soll das Geschäft mit Einmalanlagen den Einbruch im klassischen Lebensversicherungsgeschäft kompensieren. Rund 90 Prozent des Einmalgeschäfts der Provinzial kommt von den Sparkassen, denen die Provinzial zu zwei Dritteln gehört. Offenbar bieten die Kassen gezielt Rentenpolicen an, wenn Kunden größere Summen parken möchten. Für die Vermittlung erhalten sie eine Provision von der Provinzial. „Das geht nicht zulasten der bestehenden Kunden“, sagte Vorstandschef Ulrich Jansen. Das Unternehmen erziele mit Neuanlagen zurzeit 4,1 Prozent – exakt den Satz, mit dem die Gesellschaft den Sparanteil mit Einmalbeiträgen verzinst.

Allerdings kommen davon im ersten Jahr nur 1,9 Prozent beim Einmalbeitragszahler an. Kündigt er im ersten Jahr, erhält er diesen Zinssatz. Innerhalb der zwölf Jahre Vertragslaufzeit läuft der Zins auf 3,75 Prozent hoch, vorausgesetzt, das Unternehmen bleibt bei seinen 4,1 Prozent Überschussbeteiligung.

Die Provinzial konnte 2009 die krisenbedingte Delle des Vorjahrs wettmachen. 2008 hatte das Unternehmen so wenig mit Kapitalanlagen verdient, dass es die vorgeschriebene Zuführung zu Reserven ausfallen ließ und sich dafür die Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin holen musste. Bei den Beitragseinnahmen konnte der Lebensversicherer den Minustrend brechen und kam auf 1,3 Mrd.Euro, ein Plus von elf Prozent. Zwei Großschäden belasteten das Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung: Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs kostete die Provinzial 62 Mio. Euro, außerdem musste sie 38 Mio. Euro für Spätfolgen des Düsseldorfer Flughafenbrands von 1996 aufwenden.

Die Schaden-Kosten-Quote betrug 97,7 Prozent der Beitragseinnahmen – nach 93,6 Prozent im Vorjahr.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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