Schiffsbanken zittern vor Aufschwung

Deutsche Kreditinstitute brauchen ihr Kapital für die Beseitigung vonAltlasten · Kaum Liquidität für neue Projekte

VON Patrick Hagen, Köln

Deutschen Banken droht der Verlust ihrer dominanten Position in der Schiffsfinanzierung, wenn in einigen Jahren das Geschäft wieder boomen sollte. Die einheimischen Institute werden ihren finanziellen Spielraum brauchen, um kritische Situationen beizulegen, erwartet Harald Kuznik, Bereichsleiter Shipping bei der HSH Nordbank. „Die nächsten Jahre wird kaum Liquidität für Schiffsfinanzierungen zur Verfügung stehen“, sagte Kuznik. Es werde daher schwierig, überhaupt neue Projekte zu realisieren.

Branchenexperten erwarten, dass asiatische Banken in die Bresche springen. Bisher sind europäische und vor allem deutsche Banken führend bei Krediten an Reeder und Werften. Die HSH Nordbank ist weltweit die größte Schiffsbank mit einem Portfolio von 35 Mrd. Euro, hat aber Probleme: Die Bank musste nach Milliardenabschreibungen mit Staatsgeldern gestützt werden. Auch andere Finanzierer wie die teilverstaatlichte Commerzbank stecken in den roten Zahlen.

Deutsche Banken sind von der Schifffahrtskrise besonders betroffen, vor allem wenn sie auf das Geschäft mit Schiffsfonds gesetzt haben. In Deutschland wird ein Großteil der Schiffsneubauten von Privatanlegern über geschlossene Fonds finanziert. Zahlreiche Fonds verdienen aber nicht mehr genug, um ihre Kredite zu bedienen. Hinzu kommt das Problem der Neubestellungen: Reeder und Fondsanbieter haben in den Boomjahren eine riesige Zahl neuer Schiffe bestellt. Banken haben sich nicht nur bereit erklärt, wie üblich einen Teil des Schiffes per Hypothekendarlehen zu finanzieren, sondern auch das Eigenkapital vorgestreckt, das die Fondshäuser bei Anlegern einsammeln wollten. Dieser Markt ist fast völlig zusammengebrochen.

„Wir müssen jetzt Finanzierungsalternativen für die Fälle finden, bei denen Schiffe zur Ablieferung anstehen und das Eigenkapital fehlt“, sagte Kuznik. Die HSH müsse deshalb größere Risiken eingehen als ursprünglich geplant. Etwa zwölf Prozent der Neubau-Aufträge im Portfolio der HSH Nordbank konnten von den Kunden abbestellt werden. Für die restlichen Schiffe muss die Bank andere Finanzierungsmodelle finden. „Es gibt keine pauschale Lösung für das Orderbuch“, sagte Kuznik.

Während die großen deutschen Banken mit ihren Altlasten beschäftigt sind, positionieren sich asiatische Rivalen. Chinesische Banken haben bereits angekündigt, stärker einsteigen zu wollen. Bis China eine dominante Rolle in der Schiffsfinanzierung spielt, werde es aber noch dauern, sagte Kuznik hoffnungsvoll. „Es braucht Zeit, das nötige Know-how aufzubauen.“

Auf längere Sicht würden sich die Gewichte jedoch nach Asien verschieben. Reeder sollten aber nicht glauben, dass die dortigen Banken einfache Geschäftspartner seien. „Die chinesischen Banken agieren knallhart“, sagt er. „Sobald ein Kredit nicht bedient wird, kennen die nur einen Weg, und zwar raus.“

Kuznik erwartet, dass sich das Finanzierungsmodell grundsätzlich ändern wird. „Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel“, sagte er. Banken seien auf absehbare Zeit nicht mehr bereit, Schiffe in dem Ausmaß vorzufinanzieren wie vor der Krise.

Das glaubt auch Axel Schroeder, Chef des Fondshauses MPC Capital. „Werft, Reeder und Emissionshaus werden zusammen das Eigenkapital garantieren müssen“, sagte er auf einer Fachtagung. „Der Markt für Fondsanteile ist nicht tot, aber er wird die nächsten zwei Jahre sehr still sein“, sagte Schroeder.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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