Zurich stemmt sich gegen sinkenden Prämienumsatz

Versicherer sieht in niedrigen Kosten Wettbewerbsvorteil

Von Herbert Fromme, Bonn

Der Schweizer Versicherer Zurich will in diesem Jahr dank eiserner Kostendisziplin gegen den Markttrend wachsen. Eduard Thometzek, Deutschlandchef des in der Schweiz beheimateten Versicherers Zurich, prophezeit der deutschen Konkurrenz für das laufende Jahr weniger Umsatz statt Wachstum. Doch Thometzek erwartet, dass Zurich seinen Marktanteil ausbauen kann.

„Der Niedergang der Wirtschaft führt dazu, dass auch die Prämieneinnahmen 2010 marktweit zurückgehen“, sagte Thometzek gestern vor Journalisten. Er sieht die Lage düsterer als der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, der von stagnierenden bis leicht wachsenden Umsätze ausgeht.

2009 konnte sich Zurich nicht gegen den Markt stemmen. Denn Zurich wuchs in Deutschland nur um 1,1 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro Prämie, deutlich unter dem Markt mit 4,1 Prozent. Thometzek begründete das mit der Skepsis gegenüber Einmalgeschäft in der Lebensversicherung, das von Kunden vor allem als kurzfristige Spareinlage gesehen wird. Man biete nur bestehenden Kunden ein Parkdepot mit drei Prozent Zinsen an. Rund 85 Prozent des Lebens-Neugeschäft besteht aus fondsgebundenen Policen. Beim Vertrieb macht die Deutsche Bank im Lebens-Neugeschäft 53 Prozent aus.

Thometzek setzt bei seiner Prognose für 2010 auf die gesunkenen Kosten: Das Unternehmen gab 2009 nur 21 Prozent der Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung (Autos, Gebäude, Haftpflicht) für Vertrieb und Verwaltung aus. Damit liegt es unter Wettbewerbern, die auf 25 Prozent bis 33 Prozent kommen. Teil der fortdauernden Kostensenkung ist die Umstrukturierung auf EU-Ebene: Am 16. August 2010 wird die deutsche Zurich Versicherung eine Niederlassung der Zurich Ireland, in der die Gruppe ihre EU-Töchter bündelt.

Zurich verdiente 2009 in Deutschland 482 Mio. Euro, ein Plus von 5,1 Prozent – gemessen im hauseigenen „Business Operating Profit“, einem geglätteten Vorsteuergewinn. Den Gewinn nach Steuern nannte der Konzern nicht.

Thometzek sagte, in der Autoversicherung seien dringend Preiserhöhungen nötig. Selbst eine Anhebung von zehn Prozent, wie er sie für möglich hält, würde nicht ausreichen. „Es wird in der Autoversicherung 2010 keine Entspannung geben an der Preisfront.“ Insgesamt stieg die Zahl der versicherten Fahrzeuge 2009 um 50 000 auf 2,5 Millionen Stück. Hier könne Zurich 2010 deutlich stärker als der Markt wachsen, der im Schnitt für Schäden, Verwaltungs- und Vertriebskosten in der Autoversicherung 106 Prozent der Beiträge ausgebe. Die Zurich dagegen nur 96 Prozent.

Stolze 100 Mio. Euro Mehrumsatz soll eine neue Managerhaftpflicht-Police für den Mittelstand bringen, die Zurich gerade einführt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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