Ergo setzt auf Schnellumbau

Munich-Re-Tochter will ab Herbst mit neuer Markenstrategie antreten

Von Herbert Fromme

und Georgia Hädicke, Düsseldorf

Der Düsseldorfer Versicherungskonzern Ergo will seine umstrittene Markenstrategie mit einem Kraftakt bis Ende Juli technisch vollzogen haben und ab Herbst neu im Markt auftreten. Als Holding besteht die Ergo seit 1997, sie war aber mit dem Namen in Deutschland bislang nicht als Versicherer tätig – im Ausland dagegen schon.

Jahrelang hatte das Management der Mehrmarkenstrategie die Treue geschworen, jetzt werden Victoria und Hamburg-Mannheimer ausgemustert und durch Ergo Versicherungen ersetzt. Die Werbeikone Herr Kaiser geht in den Ruhestand. Die Aktion soll allein 20010 54 Mio. Euro kosten, 2011 weitere 19 Mio. Euro. Ab Mitte Juni stellt der Konzern, der dem Rückversicherer Munich Re gehört, innerhalb von vier Wochen 1740 Ladengeschäfte und 1000 Kleinagenturen der Versicherer Victoria und Hamburg-Mannheimer um. Die Gruppe muss rund 17 000 Internetseiten frisch gestalten und 16,2 Millionen Broschüren neu drucken. Den Direktversicherer KarstadtQuelle Versicherungen hat der Konzern bereits in Ergo Direkt umbenannt.

Um den empörten Vertretern der Victoria das Sterben ihrer Marke etwas zu versüßen, hat die Konzernleitung unter Torsten Oletzky ein kleines Zugeständnis an sie gemacht. Zwar gibt es keine Victoria-Policen mehr – aber an ihren Ladenlokalen prangt künftig „Ergo Victoria“. Bei den Kollegen von der Konzernschwester Hamburg-Mannheimer steht künftig nur „Ergo“ über der Tür. „Das ist keine Übergangslösung, das bleibt so“, sagte Andrea Hoelken, Marketingchefin der Hamburg-Mannheimer, vor Journalisten.

Der Krankenversicherer DKV und der Rechtsschutzspezialist DAS behalten indes ihre Namen. „Wir haben Kooperationsverträge mit anderen Versicherern“, sagte ein Konzernsprecher. Das wäre unter der Marke Ergo kaum möglich.

Die beiden Schaden- und Unfallversicherer Victoria Versicherung und Hamburg-Mannheimer Versicherung werden zur Ergo Versicherung fusioniert. In der Lebensversicherung gibt es keine Fusion: Ergo legt die Victoria Leben still, sie nimmt kein Neugeschäft mehr an. Der Konzern ändert den Namen der Hamburg-Mannheimer in Ergo Lebensversicherung, künftig verkaufen alle Vertreter des Konzerns ihre Policen.

Die Victoria Leben schrieb ihren Kunden seit hohen Verlusten in der Aktienkrise vor acht Jahren weniger Zinsen gut als Rivalen und hatte deshalb einen schweren Stand im Markt. Die neue Namensstrategie erlaubt dem Ergo-Vorstand die vergleichsweise unauffällige Stilllegung der Victoria.

Ergo reagiere auf Veränderungen im Kundenverhalten, sagte Thomas Bischof, Leiter der Konzernentwicklung. „Wir sehen ein überproportionales Wachstum des Direktmarktes.“ Dabei kaufen Kunden per Internet oder Telefon. Andere Kunden nutzten das Internet als Informationsquelle, bevor sie beim Vertreter abschließen. „Wir müssen für den Kunden von der Information bis zum Abschluss über alle Kanäle erreichbar sein“, sagte Bischof.

Zu weit gehen soll das Engagement im Direktmarkt aber nicht: Ergo werde kein preisaggressiver Anbieter im umkämpften Online-Autoversicherungsmarkt, sagte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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