Kampf um jedes bayerische Dorf

Der Versicherer R+V gehört den Genossenschaftsbanken, aber nicht alleverkaufen für ihn. R+V schlägt sich mit der Allianz herum – auch mit unfeinenMitteln

Herbert Fromme

Die R+V ist so etwas wie der Musterknabe der deutschen Assekuranz. Der Marktanteil wächst, der Gewinn ist solide. Den Vertrieb über die Raiffeisen- und Volksbanken, denen der Versicherer gehört, hat er gut gelöst.

Umso mehr schmerzt es die R+V-Führung unter dem Ex-Allianz-Manager Friedrich Caspers, dass der Versicherer in Bayern heftige Konkurrenz im eigenen Hausteich hat. Die Allianz und die Versicherungskammer Bayern kooperieren ebenfalls sehr erfolgreich mit vielen der 305 Genossenschaftsbanken.

Dieser Stachel im genossenschaftlichen Fleisch tut weh. Umso schöner deshalb die Nachricht, die R+V-Vertriebsvorstand Heinz-Jürgen Kallerhoff bei der Bilanzpressekonferenz Ende April verkünden konnte: In Bayern habe die R+V inzwischen einen Marktanteil von über 50 Prozent beim Vertrieb über die Genossenschaftsbanken erreicht, jedenfalls gemessen an deren Bilanzsumme.

Das irritierte die Allianz. Man verliere zwar Marktanteile, sei aber noch führend, teilte ein Sprecher mit – und legte harte Zahlen vor: In der Lebensversicherung habe die Allianz 2009 vom Gesamtgeschäft der Volks- und Raiffeisenbanken 52,7 Prozent der Beitragssumme verkauft, die Versicherungskammer Bayern rund sieben Prozent. Macht in der Summe knapp 60 Prozent, „die R+V hat maximal rund 40 Prozent Anteil“, rechnet er vor. Im Bestand sind die Zahlen noch deutlicher. Vom Beitragsaufkommen entfallen 68,8 Prozent auf die Allianz: „Hier liegt der R+V-Anteil also bei maximal 30 Prozent.“

Auch in der Sachversicherung ist von Führung durch die R+V nichts zu spüren – die Allianz komme auf 51,5 Prozent, die Versicherungskammer Bayern wieder auf sieben Prozent, die R+V auf 41 Prozent, meint die Allianz.

Auch wenn man die Bilanzsumme der vermittelnden Institute betrachte, könne von Marktführung nicht die Rede sein – die Allianz habe mit 215 Banken eine Kooperation, die auf 72 Prozent der Bilanzsumme kommen, die R+V mit 65 Prozent. Viele Banken arbeiten mit mehreren Partnern.

Keine Rede also von führender Position der R+V – jedenfalls bislang nicht. Gemessen an den starken Worten bei dem Pressegespräch zeigten sich die Wiesbadener vornehm scheu, als die FTD sie um eine Stellungnahme zu den Zahlen bat.

„Ich bitte um Verständnis, dass wir die jeweiligen Berechnungsgrundlagen zu Marktanteilen der einzelnen Häuser nicht über die Medien im Detail analysieren, vergleichen oder gar bewerten möchten“, mailte eine Sprecherin. „Das klären R+V und Allianz wie sonst auch im direkten Kontakt.“ Oder mit halbgaren Zahlen bei einer Pressekonferenz.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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