Massengut statt Container

Anbieter von Schiffsfonds werben um das Vertrauen der Anleger mit Investments, die bislang nicht enttäuscht haben

VON Patrick Hagen

und Katrin Berkenkopf

Die Nachrichten aus der Schifffahrt klingen wieder freundlicher – schon gibt es Bewegung bei den Schiffsfonds. Während die Emissionshäuser im vergangenen Jahr fast nur Schnäppchenfonds aufgelegt haben, offerieren sie jetzt wieder klassische Beteiligungen. Zwar traut sich noch kaum ein Emissionshaus mit einem Containerschiff auf den Markt. Aber Massengutfrachter, sogenannte Bulker, und Spezialschiffe gibt es wieder. Auch Zweitmarktfonds.

An den Fondskonzepten sind die Spuren der Krise deutlich abzulesen. Die Anbieter versuchen, Vertrauen zurückzugewinnen, und bauen in ihre Beteiligungen Sicherheitsnetze ein. Nordcapital etwa setzt mit seinem neuen Fonds „E.R. Bordeaux“ auf den Massengutmarkt. Der mittelgroße Frachter kann Erze, Kohle und Düngemittel transportieren. Auch die Anbieter Orange Ocean und Conti haben in den vergangenen Monaten Bulker in die Platzierung gegeben. Ein wichtiges Verkaufsargument für Nordcapital ist der günstige Kaufpreis für das Schiff. Dem Emissionshaus ist es gelungen, den ursprünglich mit der Werft vereinbarten Preis von 47,1 Mio. auf 36,5 Mio. Dollar zu drücken. Allerdings hat gleichzeitig die Reederei Hanjin, an die das Schiff verchartert ist, die Charterrate heruntergehandelt. Abgeliefert wird das Schiff Mitte nächsten Jahres.

Viele Anleger von Containerschiffsfonds müssen seit Beginn der Krise auf Auszahlungen verzichten, schon erhaltene Ausschüttungen zurückzahlen oder gar neues Geld zuschießen. Solche Probleme gab es bei Bulkern bisher kaum. Deshalb trauen sich Emissionshäuser zurzeit vor allem mit diesen Schiffen in die Platzierung.

Trotz aller Sicherheitsnetze blieben Schiffsfonds unternehmerische Beteiligungen mit den entsprechenden Risiken, sagt Schiffsfondsexperte Jürgen Dobert. „Die Krise hat gezeigt, dass Schiffsfonds nur etwas für Anleger sind, die bereit sind, etwas zu riskieren und auch Geld zu verlieren.“

„Neben der langen Festcharter und der darauf folgenden Pool-Beschäftigung war uns wichtig, dass die Prognosen nicht über den langjährigen Durchschnitten lagen“, sagt Nordcapital-Geschäftsführer Reiner Seelheim. Eine solche Konzeption verlangte auch die beteiligte Bank, die Nordcapital nicht nennen will. Für den Frachter musste das Haus eine neue Finanzierung suchen. Ursprünglich war das Schiff für einen anderen Fonds gedacht, der aber infolge der Finanzkrise vorzeitig geschlossen wurde, weil nicht genügend Kapital von Investoren für alle Schiffe zusammenkam.

Der neue Fonds soll möglichst schnell seine Bankschulden zurückzahlen. „Es ist geplant, das aufgenommene Fremdkapital in einem relativ überschaubaren Zeitraum zurückzuführen.“ Außerdem liegt der Anteil des Fremdkapitals unter 50 Prozent und damit deutlich niedriger als vor der Krise üblich. „Mit der geringen Fremdkapitalquote trägt der Fonds dem erhöhten Sicherheitsinteresse der Investoren Rechnung und ist sehr solide konzipiert“, sagt Seelheim. Dass der Fonds in einem veränderten Umfeld entstanden ist, sieht man auch dem Prospekt an. So fällt der Risikobericht deutlich umfangreicher aus als früher.

Sicherheit soll auch die fünfjährige Festcharter bei der koreanischen Reederei Hanjin geben. Danach soll das Schiff in einem Pool der Nordcapital-Gruppe eingesetzt werden. Nordcapital wirbt mit der großen Nachfrage nach Rohstoffen für seinen Fonds. Allerdings sind Rohstoffmärkte sehr volatil, und die Charterraten für Bulker verändern sich sehr schnell und mit großen Ausschlägen nach oben und unten. Der Baltic-Dry-Index, der Fracht- und Charterraten auf den Hauptstrecken der Massengutschifffahrt abbildet, erholt sich gerade erst wieder von seinem letzten Absturz.

Die neue Vorsicht der Initiatoren liegt auch an den Erfahrungen, die sie in der Krise gemacht haben. Banken zeigten sich sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, für Schiffe Überbrückungskredite zu gewähren. Meistens machten sie das von einer Beteiligung der Anleger abhängig. „Wir können uns nicht darauf verlassen, dass bei Problemen frisches Geld von der Bank erhältlich ist, wie das in der Vergangenheit der Fall war“, sagt Seelheim. Er erwartet, dass sich Schiffsbeteiligungen insgesamt verändern werden und Angebote, bei denen jede Stellschraube bis zum Anschlag ausgereizt ist, seltener vorkommen. „Alles wird moderater werden“, sagt Seelheim.

Während der Nordcapital-Fonds trotz aller Vorsicht ein traditioneller Schiffsfonds ist, geht Hesse Newman Capital bei seinem neuen Fonds ganz neue Wege. Beim „Shipping Balance“ fließt der größere Teil des Investments in Zweitmarktanteile von Schiffsfonds, ein kleinerer in ein Anleihenportfolio. Ohne Sicherheitskomponente verkaufen sich Konzepte heute nur schwierig, sagt Vorstand Marc Drießen. „Anleger wollen heutzutage auf Nummer sicher gehen, das sieht man auch am Erfolg anderer Garantieprodukte am Kapitalmarkt.“

Überzeugungsarbeit müsse sein Haus eher beim Vertrieb leisten, der oft Vorurteile gegen solche Produkte hege. „Manch einer meint, der Anleger fahre besser, wenn er sein Geld selbst durch eine Investition in einen Bond absichere.“ Das sei aber nicht vergleichbar, meint Drießen „Unsere Rahmenbedingungen für das Anleihenportfolio sind besser als die für Privatanleger.“ Und schließlich achte nicht jeder Investor auf systematische Diversifikation seiner Anlagen. Davon auszugehen sei praxisfern.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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