Firmeneigene Versicherer leiden unter Solvency II

Industriekonzerne prüfen interne Anbieter kritisch

Herbert Fromme , Köln

Europas Industriekonzerne prüfen angesichts der Anforderungen durch die EU-Eigenkapitalregeln Solvency II kritisch, ob sie ihre eigenen Versicherungsunternehmen behalten sollen.

Große Unternehmen besitzen nach Berechnungen der Ratingagentur AM Best derzeit 895 sogenannte Captive Insurers. Davon sitzen 347 auf der Kanalinsel Guernsey und 198 in Luxemburg.

Captives wurden oft gegründet, um steuerschonend Reserven für größere Schäden aufzubauen, und um sich an den großen Versicherungsprogrammen zu beteiligen – als Insider auf der anderen Marktseite. „Es stellt sich für die Firmen zunehmend die Frage, wie effektiv die Nutzung von Captives noch ist“, sagte Yvette Essen, Chefin der Abteilung Marktanalyse bei AM Best in London. Denn nach Einführung von Solvency II müssen auch die firmeneigenen Gesellschaften die strikten Eigenkapitalvorschriften erfüllen. „Dazu kommt, dass rund 20 Prozent aller Captives heute für Neugeschäft stillgelegt sind“, sagte Essen. Das liege an Unternehmensfusionen, bei denen beide Seiten eine Captive hatten, oder daran, dass die Erwartungen an die firmeneigenen Gesellschaften nicht mehr erfüllt wurden. Auch für stillgelegte Captives wird Eigenkapital gebraucht.

Einige Gesellschaften kommen in der Überprüfung ihrer Captives auch zu dem Ergebnis, dass sie sie besser nutzen können. „Das gilt für die Kreditversicherung und als neuer Trend für die betriebliche Altersversorgung“, sagte Essen.

 

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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