Terrorwarnungen beeinflussen Geschäft von Extremus nicht

Spezialanbieter musste noch nie einen Schaden regulieren

Ilse Schlingensiepen

Die Empörung in Deutschland schlug hohe Wellen, als die US-amerikanische Regierung Anfang Oktober Reisende vor Terroranschlägen in der Bundesrepublik warnte. Deutsche Politiker und Sicherheitsexperten sehen keine Hinweise auf eine verstärkte Gefahr. Und auch die Risikomanager der Unternehmen haben keinen Anlass, besondere Vorkehrungen zu treffen und mehr Deckung gegen Terrorgefahren einzukaufen. „Die jüngsten Warnungen haben bei uns nicht zu einer Belebung des Geschäfts geführt“, berichtet Dirk Harbrücker, Vorstand des Versicherers Extremus, der auf die Deckung von Terrorrisiken spezialisiert ist.

Das Kölner Unternehmen wurde 2002 von 16 Versicherern gegründet. Es deckt Schäden durch Anschläge ab 25 Mio. Euro – bis zu dieser Grenze zahlen die Feuerversicherer. Insgesamt haftet Extremus mit bis zu stolzen 10 Mrd. Euro. Davon trägt der Versicherer selbst 2 Mrd. Euro, für die restlichen 8 Mrd. Euro hat der Staat eine Garantie gegeben.

Bislang hat Extremus noch keinen Schaden reguliert. „Unsere Kunden sind aber vernünftig und verlangen keine Absenkung der Prämien“, sagt Harbrücker. Dennoch sinkt das Beitragsniveau, denn Extremus hängt an der Entwicklung in der Industrieversicherung. Dass dort die Preise fallen, schlägt sich bei dem Spezialanbieter nieder. „Wir konnten das aber beim Volumen durch die Gewinnung neuer Verträge kompensieren.“ Extremus wird in diesem Jahr das 2009 erzielte Prämienvolumen von 52 Mio. Euro halten können, erwartet er.

Der Versicherer ist zu einer festen Größe im Markt geworden. „Es gibt Kunden, die stehen richtig auf uns“, sagt der Manager. Extremus ist eine Alternative zum Londoner Lloyd’s Markt, der sonst bei Preisen und Bedingungen die Daumenschrauben anziehen könnte. Inzwischen ist der deutsche Anbieter einen Makel los, den er für international tätige Firmen hatte. Extremus springt zwar weiter nur für Schäden in Deutschland ein, kooperiert aber seit 2006 mit dem auf Bermuda beheimateten Lloyd’s-Versicherer Catlin. Er bietet Kunden Auslandsdeckung zu Extremus-Konditionen.

In vielen Ländern kooperieren Staat und Assekuranz bei der Terrordeckung. Das bleibt auch so, sagt Harbrücker. Die Garantie der Bundesregierung über die 8 Mrd. Euro läuft bis Ende 2011. Er ist optimistisch, dass sich Berlin auch darüber hinaus engagieren wird. Finanzminister Wolfgang Schäuble hätte sicher ein Problem, den Rückzug des Staates aus der Terrorversicherung zu begründen. Schließlich hat er als Innenminister mehr als einmal vor der Terrorgefahr gewarnt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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