Versicherer schlagen zurück

Branche will eigenes Onlinevergleichsportal gründen // Kampfansage an Check24

Herbert Fromme , Köln

Im Kampf gegen die Preismacht einzelner Onlinevergleichsportale holt die deutsche Versicherungswirtschaft zum Gegenschlag aus: Nach FTD-Informationen wollen HUK-Coburg und andere Direktversicherer ein eigenes Portal gründen, auf dem die Kunden den für sie besten Tarif heraussuchen können. Sie stört, dass Branchengrößen wie vor allem Check 24 immer höhere Provisionen von der Assekuranz dafür verlangen, dass die Portale den Versicherern Geschäft vermitteln.

HUK-Coburg-Sprecher Alois Schnitzer bestätigte entsprechende Gespräche mit anderen Gesellschaften. „Aber spruchreif ist das noch nicht, es ist nichts unterschrieben“, sagte er. Es handele sich um eine Option. Das Ziel: „Wir wollen den Wettbewerb im Internet erhalten.“ Er sei heute gefährdet, sofern einzelne Anbieter die Konditionen bestimmten.

Der Onlinevertrieb von Autopolicen wächst rapide – die HUK-Coburg hat 1,1 Millionen ihrer 8,5 Millionen versicherten Fahrzeughalter über seinen Internetanbieter HUK 24 erreicht. Im heftigen Konkurrenzkampf in der Autoversicherung spielt das Internet bei preissensiblen und wechselwilligen Kunden eine wichtige Rolle. Sie gehen meistens nicht auf die Websites der einzelnen Anbieter, sondern auf Vergleichsportale. Dort müssen sie nur einmalig die Angaben über Fahrzeug und Fahrer eingeben. Das Portal rechnet dann aus zahlreichen Tarifen die günstigsten aus. Ein versicherereigenes Vergleichsportal würde den Wettbewerb weiter anheizen.

Mit dem Plan zielt die HUK-Coburg direkt auf Check 24 – wo die Coburger schon heute nicht mehr mit ihren Tarifen vertreten sind. Das Online-Vergleichsportal vermittelt nach Branchenschätzungen mindestens 500 000 Autoversicherungsverträge pro Jahr. Dafür berechnet es den Versicherern im Schnitt 75 Euro Provision pro vermitteltem Vertrag. Außerdem soll Check 24 eine Gebühr für die IT-Einrichtung und andere Kosten berechnen, wenn Versicherer in den Vergleich kommen wollen. Die Nummer zwei ist Aspect Online in Augsburg mit rund 80 000 Verträgen.

Eine Provision wird fällig, wenn der Kunde nach der Vergleichsrechnung vom Portal direkt auf die Seite des Versicherers geht. Aber selbst wenn er sich erst Tage später beim Versicherer einloggt und abschließt, kann der Versicherer über Cookies und andere technische Hilfsmittel nachvollziehen, dass der Kunde den Vergleich bei Cash 24, Aspect oder einem anderen Portal hat rechnen lassen. Auch dann muss der Versicherer an die Portale eine Provision entrichten.

Check-24-Chef Henrich Blase sagte, es sei falsch, dass sein Unternehmen den Wettbewerb gefährde. „Ich kann nur sagen: viel Feind, viel Ehr“, sagte Blase zu der möglichen neuen Konkurrenz. „Die meisten Versicherer, mit denen wir zusammenarbeiten, sind sehr zufrieden.“

Zu den möglichen Partnern für ein assekuranzeigenes Vergleichsportal wollte der HUK-Sprecher nichts sagen. Nach FTD-Informationen spricht die Coburger Gesellschaft mit einer ganzen Reihe von Anbietern. Darunter sind der Hannoveraner Talanx-Konzern, der mit dem Anbieter HDI 24 unterwegs ist. Die genossenschaftliche Wiesbadener R+V 24 sei ebenso interessiert wie die deutsche Tochter des britischen Anbieters Direct Line. Sprecher aller drei Firmen wollten nicht Stellung nehmen.

Große Direktanbieter sind auch die Zurich-Tochter DA, die Generali-Konzerngesellschaft Cosmos Direkt, die Allsecur der Allianz sowie Axa Direkt.

Ein Gemeinschaftsunternehmen der Assekuranz müsste so konstruiert sein, dass es sowohl die heftige Konkurrenz unter den möglichen Partnern als auch etwaige kartellrechtliche Probleme berücksichtigt.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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