Nadelöhr Sueskanal

Aufständische könnten eine der wichtigsten Wasserstraßen des Welthandels miteinfachen Mitteln blockieren // Bislang keine Störungen der Schifffahrt

Herbert Fromme , Köln

Der Verkehr durch den Sueskanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Welthandel, läuft trotz der Unruhen im Land noch störungsfrei. „Die von uns betreuten Schiffe haben auch am Wochenende problemlos den Kanal durchfahren“, sagte ein Sprecher von Leth Suez Transit, einer großen Agentur, die auf die Betreuung von Schiffen für die Suespassage spezialisiert ist. Probleme gibt es allerdings wegen der Unterbrechungen im Flugverkehr mit Besatzungswechseln und der Lieferung von Proviant und Ersatzteilen an Bord.

Die Wasserstraße ist sehr störanfällig. Der Kanal kann nur jeweils in eine Richtung befahren werden. Ohne Leitung durch das Kontrollzentrum im Gebäude der Kanalbehörde in Ismailia und die Stationen entlang der Strecke kann kein Schiff sicher den Kanal durchfahren. Würden Aufständische die Kanalbehörde einnehmen, könnten sie den Betrieb sehr leicht zum Stillstand bringen und damit den Sueskanal schließen. Am Wochenende protestierten zwar Hafenarbeiter in der Stadt, die Behörde war von den schweren Unruhen jedoch nicht betroffen.

Die Kanalbehörde leitet die Schiffe in zwei südgehenden Konvois und einem nordgehenden Konvoi mit zwei Gruppen durch die Wasserstraße. Die Schiffe sammeln sich im Mittelmeer vor Port Said und im Roten Meer vor Sues. Dort gehen die Sueslotsen an Bord, die für die Passage verpflichtend sind. Während der zwischen elf und 16 Stunden dauernden Fahrt müssen die südgehenden Konvois in den Großen Bitterseen beziehungsweise der speziell einrichteten Wartezone in Ballah, einem „Nebengleis“ des Kanals, auf die Schiffe aus dem Süden warten, die ohne Stopp passieren.

Ägyptens strategische Bedeutung beruht neben seiner Rolle als Kernland der arabischen Welt auf dem Kanal, der das Rote Meer und das Mittelmeer verbindet. Rund 21 000 Schiffe passieren die 193 Kilometer lange künstliche Wasserstraße jährlich, darunter die meisten Containerschiffe auf der Rennstrecke des Welthandels zwischen Europa und Asien.

Auch ein Großteil des Öls aus dem Nahen Osten kommt durch den Sueskanal. Tanker mit mehr als 240 000 Tonnen Tragfähigkeit können die Wasserstraße nur mit Teilladung passieren. Viele laden Öl am Roten Meer ab, das dann durch ein spezielles Pipelinesystem, die Sumed, quer durch Ägypten ans Mittelmeer gepumpt wird. Dort nehmen die Schiffe das Öl wieder auf.

Mit Einnahmen von 4,77 Mrd. Dollar im Jahr 2010 trägt die staatliche Suez Canal Authority maßgeblich zu den Deviseneinnahmen Ägyptens bei. Die Reeder zahlen 200 000 Dollar und mehr für die Durchfahrt eines Schiffes.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit