Beluga taumelt in die Pleite

Tochter des Bremer Spezialreeders meldet Insolvenz an // Schiffseigner ziehenFlotte fast ganz ab

Katrin Berkenkopf , Köln,

und Angela Maier, München

Die ins Straucheln geratene Bremer Schwergut-Reederei Beluga hat Insolvenz für die Tochter Beluga Chartering beantragt. Nach FTD-Informationen hatten unmittelbar zuvor fast alle Schiffsfonds, die Frachter an das Unternehmen vermietet hatten, ihre Verträge mit Beluga gekündigt. Damit hat die Reederei den größten Teil ihrer Flotte verloren. Ohne Schiffe kann sie kaum überleben. Zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht gestern Edgar Grönda vom Bremer Büro der Kanzlei Schultze & Braun.

Die vom US-Investor Oaktree kontrollierte Beluga-Gruppe begründete die Entscheidung für ein Insolvenzverfahren mit „der Aufdeckung von erheblichen Unregelmäßigkeiten im Hinblick auf Umsatz und Liquidität“. Damit verweist Beluga auf Ermittlungen gegen Firmengründer Niels Stolberg und andere ehemalige Manager wegen schweren Betrugs.

Hintergrund ist aber eher ein schwerer Streit zwischen Oaktree und den deutschen Fonds, denen mehr als 50 der rund 70 von Beluga betriebenen Schiffe gehören. Die Amerikaner hatten schon vergangene Woche mit Insolvenz gedroht, um die Schiffseigner zu einem Mietverzicht zu bewegen. Bislang betrifft die Insolvenz nur die Chartertochter mit über 100 Mitarbeitern. In Bankkreisen gilt aber als wahrscheinlich, dass die Mutter Beluga Shipping und weitere Töchter Insolvenzantrag stellen müssen. Beluga Shipping hatte Garantien für die Verpflichtungen der Beluga Chartering abgegeben. Die Fonds wollen die ausgefallenen Mietzahlungen jetzt dort einfordern. „Wir haben eine Patronatserklärung von Beluga Shipping fällig gestellt“, sagte Christian Büttner von Elbe Emissionshaus.

Die Situation scheint verfahren. „Die Zeichen für Beluga stehen ziemlich schlecht“, so ein Banker. Die Entscheidung werde binnen weniger Tage fallen, hieß es. Ein Firmensprecher sagte dazu nur, derzeit würden mit Gläubigern, Fonds, und Mitarbeitern „konstruktive Gespräche“ geführt, um eine gemeinsame Lösung zu erreichen. Zu den Kreditgebern von Beluga und den Schiffsfonds zählen die Nord/LB und deren Tochter Bremer Landesbank, die HSH und Commerzbank. Der Investor Oaktree hält nicht nur 49,5 Prozent an Beluga, sondern ist nach eigenen Angaben auch Belugas größter Gläubiger.

Beluga fährt schwere und sperrige Ladungen wie Industrieanlagen oder Kräne. Die Reederei litt unter dem Auftragsmangel in der Krise und hatte zudem auf eigene Rechnung eine Reihe von Schiffen bestellt, deren Finanzierung Gründer Stolberg nicht mehr stemmen konnte. Mitte 2010 holte er deshalb Oaktree ins Boot, im Februar 2011 übernahm der Investor die Macht in der Bremer Zentrale. Stolberg wurde beurlaubt, Oaktree erstattete Anzeige.

Gleichzeitig machte Oaktree Druck auf die Fonds. Die betroffenen Emissionshäuser und Eigner gründeten daraufhin die Interessengemeinschaft Charterschiffe Beluga. Sie gab diese Woche eine dringende Empfehlung an die Mitglieder, die Verträge zu kündigen. So hatte der Fondsinitiator HCI Capital bereits am Dienstag die Verträge mit Beluga wegen Nichtzahlung der Charterraten fristlos beendet. HCI ist mit 20 Schiffen am stärksten betroffen. Das Emissionshaus Ownership ist ebenfalls raus. „Auch wir sind der Empfehlung nachgekommen“, so Büttner von Elbe Emissionshaus. Die betroffenen Schiffe sollen in einen Pool eingebracht werden. Darauf drängen die Banken, die an der Finanzierung der Schiffe beteiligt sind.

„Das Verhalten der Fonds war keine Trotzreaktion, sondern pure Notwendigkeit“, sagte ein Teilnehmer der Gespräche zwischen Oaktree und den Fonds. Ein anderer Teilnehmer monierte dagegen, die Fonds hätten „Forderungen gestellt, die nicht zu erfüllen waren.“

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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