Württembergische hofft auf Fondspolicen mit Garantie

Konzernchef Erdland kritisiert Beteiligung an Bankenabgabe

Ilse Schlingensiepen , Stuttgart

Lebensversicherungen gegen Einmalbeitrag und fondsgebundene Verträge mit Garantie werden weiter an Einfluss gewinnen. Sie werden die traditionelle deutsche Lebensversicherung gegen laufenden Beitrag ablösen, erwartet Norbert Heinen, Chef der Württembergischen Versicherungen. Sie gehören zur Bauspar- und Versicherungsgruppe Wüstenrot und Württembergische (W&W).

Dagegen haben die neuen EU-Eigenkapitalregeln Solvency II zwar Einfluss auf die Lebensversicherung, der werde aber überschätzt, sagte Heinen. Damit distanzierte sich Heinen deutlich von der Mehrzahl der Versicherer, die Solvency II für künftige Probleme mit der klassischen deutschen Lebensversicherung verantwortlich machen. „Im Kern ist es nicht das Regelwerk, das zu einem Umdenken in der Produktgestaltung zwingt, sondern es sind die Rahmenbedingungen“, sagte er. Entscheidend seien die Entwicklung auf dem Kapitalmarkt – vor allem die niedrigen Zinsen – und die politischen Rahmenbedingungen. „Beides führt dazu, dass wir uns umstellen müssen.“

Die Politik unterscheide bei ihren Fördermaßnahmen nicht zwischen Verträgen gegen laufenden Beitrag und Einmalbeitrag, sagte Heinen. Der Kunde könne sich ganz ohne Nachteil jedes Jahr neu entscheiden. Deshalb würden Einmalbeiträge an Gewicht gewinnen, sagte er. Sie seien kein minderwertiges Geschäft, das nur unter Zinsgesichtspunkten zustande komme.

Gleichzeitig zwinge die Niedrigzinsphase die Versicherer zu prüfen, welche Garantien sie für welche Dauer geben könnten. Deshalb seien klassische Lebensversicherungen mit lebenslanger Garantie nicht zukunftsträchtig, fondsgebundene Policen mit Garantien dagegen schon. „Das ist unser strategischer Schwerpunkt im Neugeschäft“, sagte Heinen.

In der Lebensversicherung erzielte die Gruppe 2010 Beitragseinnahmen von 2,4 Mrd. Euro, das war ein Zuwachs von 4,3 Prozent, die Schadenversicherung legte um 1,9 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro zu.

Ab 2012 will Konzernchef Alexander Erdland 250 Mio. Euro im Jahr verdienen und davon 170 Mio. Euro als zusätzliches Eigenkapital bunkern. So soll die Basis für die geplante Expansion geschaffen werden.

Erdland kritisierte, dass die Bausparkassen sich an der Bankenabgabe und der europäischen Einlagensicherung beteiligen müssen. Das sei nicht gerechtfertigt. Außerdem hänge immer noch das Damoklesschwert der Transaktionssteuer über der gesamten Finanzbranche. „Dafür ist im Bundeshaushalt schon ein Beitrag eingebucht“, sagte er.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

Diskutieren Sie mit